Gesundheitliche Folgen von Übergewicht und Adipositas

Übergewicht ist schädlich und hat weitreichende, gesundheitliche Folgen für die Betroffenen – zumindest in dieser Aussage sind sich die Wissenschaftler einig. Strittig ist jedoch, ab wann das Risiko für Folgeerkrankungen bei Übergewicht und Adipositas tatsächlich erhöht ist.

Ab wann steigt die Gefahr von Folgeerkrankungen?

Gruppe von Adipositas-Patienten kämpft bei der Aquagymnastik mit den Folgen des Übergewichts

Die Liste der Krankheiten und Symptome, die durch Übergewicht und Adipositas ausgelöst oder begünstigt werden können, ist lang. Dabei gilt: Je höher das Übergewicht, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, an zumindest einer der Folgeerkrankungen zu leiden. Dies kann sich auf die Gesundheit auswirken und die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen.

Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mensch aufgrund seines Übergewichts negative gesundheitliche Folgen erleidet, lässt sich ungefähr anhand des Body-Mass-Index (BMI) einschätzen. So sind Menschen mit leichtem Übergewicht „nur“ leicht gefährdet, Folgeerkrankungen zu entwickeln. Mit der Grenze zur Fettleibigkeit (Adipositas) oder einem noch höheren BMI-Wert, steigt die Gefahr für die Betroffenen, dass das Übergewicht nicht ohne gesundheitliche Nachteile bleibt.

Bei der schwersten Form der Fettleibigkeit, der Adipositas permagna oder Adipositas Grad 3, ist das Risiko körperlicher Folgen bereits stark erhöht. Mediziner bezeichnen die Adipositas permagna auch als morbide Adipositas, also als krankhafte Adipositas (lat. „morbidus“ = krank), da diese von einer Vielzahl von Erkrankungen begleitet wird.

Wie schädlich ist leichtes Übergewicht?

Geht es um Übergewicht und seine gesundheitlichen Folgen, ist die Aufmerksamkeit der Mediziner vor allem auf die krankhafte Fettleibigkeit gerichtet (Adipositas). Welche Auswirkungen verhältnismäßig kleine Fettpolster haben, lässt sich nicht allgemein feststellen, sondern bedarf einer individuellen ärztlichen Untersuchung.

Laut einiger Studienergebnisse leben Menschen mit einem BMI von 25 am gesündesten. In der BMI-Tabelle ist hier die Grenze von Normalgewicht zu leichtem Übergewicht gerade überschritten. Andere Studien ergaben jedoch ein erhöhtes Sterberisiko von bis zu 13 % bei Frauen mit einem BMI-Wert von 25. Diese sich widersprechenden Untersuchungen erschweren es, die gesundheitlichen Folgen von nur leichtem Übergewicht einzuschätzen.

Muskeln oder Fett? Der BMI macht hier keinen Unterschied

Es ist ein häufiger Kritikpunkt am BMI, dass er sich nur bedingt zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas eignet. So kann ein BMI knapp über dem normalgewichtigen Wert von 24,9 ebenfalls mit einer erhöhten Muskelmasse, statt mit Übergewicht erklärt werden. Daher eignet sich der BMI nur bedingt als Grundlage für Studien, die sich mit den Folgen von Übergewicht beschäftigen.

Leichtes Übergewicht scheint zumindest dann keinen schädlichen Einfluss zu haben, wenn es ausschließlich auf Hüften, Gesäß und Oberschenkel verteilt ist. Aus medizinischer Sicht ist eine Körperform, die an eine Birne erinnert, unbedenklich. Ob das leichte Übergewicht bei einer Birnenform jedoch sogar positiven Einfluss auf unsere Gesundheit hat, wie zum Beispiel ein verlängertes Leben, ist umstritten.

Adipositas und ihre Begleiterscheinungen

Ab einem BMI-Wert von 30 beginnt die sogenannte Fettsucht (Adipositas). Mit ihr steigt die Gefahr, an gesundheitlichen Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen zu leiden, um ein Vielfaches. Diese können unter anderem das Herz-Kreislauf-System, die Gelenke oder den Stoffwechsel betreffen und reichen von erhöhtem Cholesterinspiegel bis hin zu Fettleber.

Bluthochdruck (Hypertonie) als Folge von Adipositas

Von einem erhöhten Blutdruck sprechen Ärzte, wenn der Druck in den Arterien über dem normalen Maß liegt. Ein idealer Blutdruck liegt bei circa 120/80. Der erste Wert gibt dabei den systolischen Wert an, also den Wert, bei dem sich das Herz zusammenzieht. Bei Übergewichtigen steigt dieser Wert pro zehn Kilogramm Körpergewicht um bis zu drei mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, chem. Hg = Quecksilber) an.

Beim diastolischen Wert, also dem zweiten Wert hinter dem Schrägstrich, weitet sich das Herz wieder. Auch dieser ist bei einem Übergewicht pro 10 Kilogramm etwa um zwei mmHg erhöht. Bluthochdruck ist dabei mehr ein Symptom als eine Erkrankung. Er kann allerdings zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und im schlimmsten Fall Folgen wie Schlaganfall und Herzinfarkt nach sich ziehen.

Typ-2-Diabetes

Als Vorläufer des Diabetes-Typs-2 gilt eine Insulinresistenz. Dabei entwickeln die Körperzellen eine Resistenz, also Unempfindlichkeit, gegenüber Insulin. Der Zucker im Blut kann in der Folge nicht mehr von dem Hormon gesenkt beziehungsweise von den Körperzellen aufgenommen werden. Besteht eine Insulinresistenz unbehandelt über eine lange Zeit, kann sich ein Typ-2-Diabetes manifestieren. Die Folge ist, dass Betroffene dann auf Insulin von außen angewiesen sind. Dieses wird in der Regel durch Injektionen in das Unterhautfettgewebe verabreicht.

Übergewicht begünstigt Gelenkerkrankungen

Bei starkem Übergewicht werden die Gelenke sowie die Wirbelsäule über die Maße belastet. Besonders oft betroffen sind Knie, Hüft- und Fußgelenke – denn diese tragen einen Großteil des zusätzlichen Gewichts. Gelenkerkrankungen wie Arthrose, Arthritis oder Bandscheibenvorfälle sind daher nicht selten die Folge von Adipositas.

Hauterkrankungen als Folge von Adipositas

Fettgewebe ist aktiv. Es produziert Hormone und Entzündungsstoffe. Diese können ursächlich dafür sein, dass sich die Gesundheit unserer Haut verschlechtert. Schuppenflechte (Psoriasis) beispielsweise tritt bei übergewichtigen oder adipösen Menschen häufiger auf. Durch die Hautfalten aufgrund der hohen Fettansammlung können ebenso wunde Stellen die Folge sein, vor allem im Bauchbereich.

Schlafapnoe-Syndrom häufig bei Übergewicht

Das Schlafapnoe-Syndrom bezeichnet Atemaussetzer in der Nacht. Diese sind in der Regel sehr kurz, führen aber dazu, dass der Körper Alarmsignale aussendet. Betroffene wachen aus dem Tiefschlaf auf und gehen in einen leichten Schlaf über – oft ohne dies zu merken. Die Folgen: Tagesmüdigkeit und eine stark verringerte Leistungsfähigkeit. Wer unter Übergewicht oder Adipositas leidet, ist von dem Syndrom besonders häufig betroffen. Aufgrund des Übergewichts lagert sich Fett in die oberen Atemwege ein und verengt diese, sodass es zu einem mangelnden Luftstrom kommt.

Krebsentwicklung

Wer an Übergeweicht leidet, hat ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken – zu diesem Ergebnis ist die medizinische Forschung in den letzten Jahren gelangt. Dabei gilt besonders das viszerale Fett als schlecht, also das Fett im Bauchraum zwischen den Organen. Der Grund hierfür liegt vermutlich an einer Mischung aus einseitiger Ernährung, Bewegungsmangel und den Fettzellen selbst. Denn die Fettzellen sind nicht nur Energiespeicher, sie produzieren auch Hormone. Das ist bedenklich, da einige Hormone – insbesondere Wachstumshormone – die Entwicklung von Tumoren fördern können. Das Krebsrisiko ist in der Folge bei Adipositas-Patienten deutlich erhöht, da die Hormonkonzentration bei Übergewichtigen deutlich erhöht ist.

Zusammenhang Übergewicht und Gallensteinleiden

Die Gallenflüssigkeit besteht zum größten Teil aus Wasser. Darin sind die übrigen Stoffe – wie Cholesterin und die Gallensäure – gelöst. Bleiben die Stoffe immer in einem bestimmten Verhältnis, bleibt der Gallensaft flüssig. Bringt jedoch etwas dieses Gleichgewicht durcheinander, sind Kristalle, sprich Gallensteine, die Folge. Neben einer überwiegend fettreichen Ernährung können auch starkes Übergewicht und Adipositas die Entstehung von Gallensteinen begünstigen.

Übergewicht schadet in jedem Alter

Die Folgeerkrankungen von Übergewicht betreffen nicht nur Erwachsene. Auch bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen besteht ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten und Symptome:

  • erhöhte Blutfettwerte
  • gestörter Blutzuckerspiegel bis zum Diabetes
  • Gelenkprobleme und Haltungsfehler

Zusätzlich sind übergewichtige Kinder auch noch Vorurteilen und Spott in der Schule ausgesetzt. Dass sie durch das höhere Gewicht oftmals früher in die Pubertät kommen, macht ihre Situation nicht besser. Es ist ihnen daher kaum zu verdenken, wenn sie sich emotional zurückziehen, ungern in die Schule gehen und eine Abneigung gegen den Sportunterricht entwickeln. Damit sich aus der psychischen Belastung keine Depression oder Essstörung entwickelt, sind die Eltern gefragt. Sie sollten mit viel Verständnis an das sensible Thema Übergewicht herangehen und ihre Kinder geduldig beim Abnehmen unterstützen. Auf diese Weise können langfristig gesehen körperliche Folgen und seelische Folgen vermieden werden.

Fazit

Es gibt verschiedene Erkrankungen, die von Übergewicht ausgelöst oder zumindest begünstigt werden können. Dabei steigt das Risiko zusammen mit den Kilos auf der Waage. Doch auch die Ursachen von Übergewicht, wie ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel, wirken sich negativ auf den Körper aus. Auf der anderen Seite kann eine Ernährungsumstellung und erfolgreiches Abnehmen die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen merklich senken.

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