Magenverkleinerung: Letzte Konsequenz im Kampf gegen Adipositas

In Deutschland leiden zahlreiche Menschen unter Übergewicht oder Adipositas. Für viele von ihnen verlaufen sämtliche Abnehmversuche, Therapien und Ernährungsberatungen erfolglos. In diesen Fällen ist die Magenverkleinerung der äußerste Schritt, um eine Gewichtsreduktion zu erlangen. Der Eingriff verspricht ein neues Lebensgefühl und eine verbesserte Lebensqualität. Doch wie funktioniert eine Magenverkleinerung und mit welchen Risiken ist sie verbunden?

Inzwischen werden OPs zur Magenverkleinerung aufgrund des vermehrten Übergewichts der Bevölkerung immer häufiger vorgenommen. Dennoch ist die Operation vom Routineeingriff noch weit entfernt und mit vielen Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Magenverkleinerung: Nur noch Vorspeisen sind möglich

Die Operation einer Magenverkleinerung

Bei der Magenverkleinerung wird der Magen drastisch verkleinert, sodass nur noch geringe Mengen von Nahrung aufgenommen werden können. Ein normaler, weder operierter noch übermäßig gedehnter Magen, hat ein Fassungsvermögen von etwa zwei bis drei Litern. Bei Menschen mit starker Adipositas kann dieses Fassungsvermögen vergrößert sein, da durch die übermäßige Aufnahme von Nahrung der Magen auf Dauer gedehnt wird.

Nach der Magenverkleinerung zum Schlauchmagen beträgt das Fassungsvermögen des Organs nur noch rund 100 bis 150 Milliliter. Das bedeutet, dass der operierte Adipositas-Patient bereits mit der Nahrungsmenge eines durchschnittlichen Vorspeisentellers satt ist.

Die Formen der Magenverkleinerung

Bei jeder Magenverkleinerung wird ein Teil des Magens chirurgisch entfernt. Sie steht damit im Gegensatz zur Magenverengung durch ein Magenband: Hier wird zwar die Form des Magens verändert, die tatsächliche Größe des Magens aber bleibt erhalten. Die Magenverkleinerung kann minimalinvasiv oder durch eine große OP erfolgen. Welche Option für den jeweiligen Patienten infrage kommt, muss der Arzt gemeinsam mit ihm entscheiden. Unterschieden wird bei der Magenverkleinerung zwischen dem Schlauchmagen und dem Magenbypass.

Beim Schlauchmagen wird ein Teil des Magens entfernt, sodass von zwei bis drei Liter Fassungsvermögen nur noch 100 bis 150 Milliliter übrigbleiben. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv wie eine Magenspiegelung. Dennoch ist die Operation anspruchsvoll, denn die Nähte müssen sehr sorgfältig vernäht werden, damit kein Mageninhalt in den Körper gelangt. Da bei der Magenverkleinerung auch der Teil entfernt wird, der für die Produktion des hungerauslösenden Hormons Ghrelin zuständig ist, empfinden die Patienten nach dem Eingriff prinzipiell weniger Hunger. Dennoch gibt es Patienten, bei denen es auch nach einer Magenverkleinerung Probleme mit dem Gewicht gibt. Der verkleinerte Magen kann durch vermehrtes Essen nämlich erneut gedehnt werden.

Bei einem Magenbypass wird der Magen ebenfalls drastisch verkleinert, indem er wenige Zentimeter unter dem Mageneingang abgetrennt wird. Gleichzeitig wird der Dünndarm verkürzt und direkt an den verbliebenen Restmagen angenäht. Dadurch verringert sich nicht nur das Fassungsvermögen des Magens – die Verdauung kann zudem erst in späteren Darmabschnitten beginnen, wodurch vor allem weniger Kohlenhydrate aufgenommen werden.

Als alternative Eingriffe zur Magenverkleinerung gelten

Die chirurgische Magenverkleinerung ist irreversibel

Bei der chirurgischen Magenverkleinerung, wie einem Schlauchmagen, wird ein Teil des Magens entfernt. Dieser Eingriff ist demzufolge dauerhaft und kann nicht rückgängig gemacht werden – anders als beispielsweise eine Magenverengung durch das Einsetzen eines Magenbandes. Der Patient lebt also dauerhaft mit einem verkleinerten Magen.

Wenngleich sich dies positiv auf das Gewicht auswirkt, bedeutet es dennoch eine lebenslange Einschränkung. Spontanes Genussessen ist kaum noch möglich, denn die aufgenommenen Portionen müssen genau abgestimmt werden, um möglichst viele Nährstoffe zu enthalten. Denn zusammen mit der Nahrungsmenge reduziert sich auch die Menge an aufgenommenen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Das kann zu einer schweren und dauerhaften Mangelversorgung führen. Viele Menschen, die sich einer Magenverkleinerung unterzogen haben, müssen daher ihr Leben lang Nährstoffe über künstliche Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Wie alle Eingriffe bringt auch die Magenverkleinerung zudem die typischen Risiken einer Operation mit sich. Bei Menschen mit starker Adipositas liegen diese vor allem in der Narkose, da es hier bei stark übergewichtigen Patienten schneller zu Atem- oder Herzstillstand kommen kann. Auch die Entwicklung einer Thrombose ist wahrscheinlicher als bei normalgewichtigen Personen.

Wann und für wen kommt eine Magenverkleinerung infrage?

Damit die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme für eine Magenverkleinerung in Erwägung ziehen, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein:

  • Der BMI muss mindestens bei 40 liegen – und das über einen längeren Zeitraum. In Ausnahmefällen und wenn die Adipositas schwere Begleiterscheinungen verursacht, ist auch ein BMI von 35 ausreichend.
  • Der Krankenkasse muss ein detailliertes Ernährungsprotokoll vorliegen und der Besuch einer Ernährungsberatung nachgewiesen werden.
  • Alle konventionellen Methoden der Gewichtsreduktion (Bewegung, Sport, Ernährungsumstellung) müssen gescheitert sein. Dies kann gegebenenfalls der Arzt bescheinigen.
  • Es muss ein psychologisches Gutachten erstellt werden, das deutlich macht, dass ein medizinischer Eingriff notwendig ist. Der Patient darf keine Depressionen haben.

Natürlich ist es auch möglich, die Kosten für die Magenverkleinerung selbst zu tragen. Da sich diese jedoch oft auf über 8000 Euro belaufen und hier die sehr langfristige Nachsorge noch nicht mit eingerechnet ist, können sich viele Patienten dies nicht leisten.

Fazit: Alles in allem ist die Magenverkleinerung – die nicht nur einen positiven, sondern auch einen einschränkenden Einfluss auf das ganze restliche Leben haben kann – nur dann eine Option, wenn wirklich keine anderen Behandlungsmöglichkeiten Abhilfe schaffen können.

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