Entzündliche Gelenkerkrankungen bei Übergewicht

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Gelenkentzündungen machen jede Bewegung zur Qual und treten vermehrt in den Knien und Knöcheln auf. Wer an einer entzündlichen Gelenkerkrankung leidet und zudem noch Übergewicht hat, verspürt oft stärkere Schmerzen. Der Grund hierfür ist vor allem die übermäßige Belastung der Gelenke: Laut medizinischen Berechnungen belastet jedes Kilogramm Übergewicht die Gelenke um das Vierfache mehr.

 

Bedeutet dies nun, dass Übergewichtige generell häufiger unter Gelenk- und Rückenerkrankungen leiden? Oder sind bei ihnen lediglich die Symptome durch die zusätzliche Belastung ausgeprägter?

Rheumatische Erkrankungen

Gelenkerkrankungen bei Übergewicht können ihren Ursprung in verschiedenen Grunderkrankungen haben. Rheumatische Erkrankungen sind dabei recht häufig. Rheuma ist eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenke, die in vier Typen unterschieden wird:

  • das Weichteilrheuma (rheumatische Erkrankung der Weichteile wie Muskulatur und Sehnen)
  • rheumatische Schmerzen durch Stoffwechselstörungen (beispielsweise Gicht und Osteoporose)
  • die chronische Arthritis
  • das degenerative Rheuma (Rheumatoide Arthritis)

Allen Rheumatypen gemein ist eine Abnutzung der Gelenke, die zu starken Schmerzen und Schwellungen führen. Je nach Ursache und Verlauf der rheumatischen Erkrankung, treten die Schmerzen unterschiedlich stark oder zu verschiedenen Tageszeiten auf.

Arthrose, Arthritis, Rheumatoide Arthritis – worin liegt der Unterschied?

Arthrose und Arthritis äußern sich in stark schmerzenden Gelenken, deren Ursachen jedoch vollkommen unterschiedlich sind.

Arthrose und Arthritis gehören zu den häufigsten Gelenkerkrankungen.

Bei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative und damit verschleißbedingte Gelenkerkrankung, also eine Erkrankung, bei der sich das Gelenk krankhaft verändert. Genaugenommen reduziert sich der Gelenkknorpel durch andauernde, starke Reibung. Bei fortschreitender Arthrose ist der Gelenkknorpel vollständig abgenutzt und zwei Gelenkknochen reiben ungehindert aufeinander. Dies kann unter anderem zu Nervenausfällen führen.

Von der Arthrose abzugrenzen ist die Arthritis, bei der es sich um eine Gelenkentzündung handelt. Die Arthritis geht mit Gelenkschmerzen, Schwellungen und Rötungen eines oder mehrerer Gelenke einher. Sie kann auf unterschiedliche Weise entstehen, unter anderem infektionsbedingt durch beispielsweise Bakterien (septische Arthritis) oder Viren (virale Arthritis).

Bei der Rheumatoiden Arthritis kommt es zur Entzündung der Gelenkinnenhaut. Die Autoimmunerkrankung verläuft oft schubweise und führt, ebenso wie Arthrose und Arthritis, langfristig zu einer dauerhaften Schädigung der Gelenke. In schwerwiegenden Fällen kann es auf lange Sicht zu einer dauerhaften Behinderung wie der Versteifung verschiedener Gelenke kommen. Die Gründe für die Autoimmunerkrankung Rheumatoide Arthritis sind bis dato nicht vollständig geklärt. Der Körper scheint die eigenen Gelenke plötzlich und ohne vorhergehenden Grund zu attackieren. Es wird jedoch vermutet, dass auch hormonelle Veränderungen das Auftreten der Rheumatoiden Arthritis begünstigen können.

In allen Fällen kommen die verschiedenen Rheumaformen auch als Gelenkerkrankungen bei Übergewicht vor. Dies liegt zum einen an der stärkeren Gelenkbelastung durch das hohe Gewicht. Da Fettzellen ebenfalls Hormone aussenden können, kann zum anderen der Hormonhaushalt zu Gelenkerkrankungen bei Übergewicht führen.

So schadet Übergewicht den Gelenken: Ursache und Wirkung

Da starkes Übergewicht pro Kilogramm eine bis zu viermal höhere Belastung für die Gelenke bedeutet, liegt es auf der Hand, dass Prä-Adipositas und Adipositas das Auftreten mancher Gelenkerkrankungen begünstigen können. Das liegt zunächst an der vermehrten mechanischen Abnutzung der Gelenke, wie sie vor allem bei Arthrose zu beobachten ist.

Verbunden mit dem Übergewicht sind nicht selten Fehlstellungen und Fehlhaltungen, die sich durch die vermehrte Anstrengung bei Bewegung einschleichen. Auch der Körperschwerpunkt ist bei Übergewicht verändert, wodurch es zu Haltungsveränderungen und Haltungsfehlern kommt. Diese begünstigen nicht nur Arthrose, sondern ebenso andere mechanisch bedingte Gelenkerkrankungen wie beispielsweise das Weichteilrheuma oder den Bandscheibenvorfall.

Das passiert bei einem Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall rutscht eine Bandscheibe, die zwei Wirbel der Wirbelsäule gemeinhin vor gegenseitiger Reibung schützt, aus ihrer Position. Dadurch kommt es für den Betroffenen zu starken Rücken- oder Nackenschmerzen, je nachdem, an welcher Position die Bandscheibe krankt.

Bei einem schweren Bandscheibenvorfall, bei dem zum Beispiel Nerven des Rückenmarks eingeklemmt werden, kann es zu Lähmungserscheinungen kommen, die einer Querschnittslähmung ähneln.

Je nachdem, wie schnell und erfolgreich der Bandscheibenvorfall behandelt werden kann und wie sehr die Nerven in Mitleidenschaft gezogen sind, können die Lähmungen jedoch reversibel, das heißt rückgängig und nur vorübergehend, sein.

Die entzündlichen Gelenkerkrankungen rühren von einer Autoimmunerkrankung oder anderen entzündlichen Prozessen im Körper her. Sie stehen daher nicht im direkten Zusammenhang mit Übergewicht, können aber durch dieses begünstigt werden. Inzwischen weiß man, dass Fettzellen entzündungsfördernde Hormone produzieren. Die Ernährung kann ebenfalls beim Verlauf von entzündlichen Gelenkerkrankungen eine Rolle spielen.

Erkrankungen der Gelenke bei Übergewicht: Hilfe und Tipps

Es wäre falsch, Gelenkerkrankungen nur mit Übergewicht in Verbindung zu bringen. Zu vielfältig sind deren Ursachen. Richtig ist aber, dass Übergewicht die Gelenke zusätzlich belastet und Entzündungsprozesse weiter anfacht. Um Gelenkerkrankungen bei Übergewicht in den Griff zu bekommen, ist eine Gewichtsreduktion daher die erste Maßnahme. Ausreichend Bewegung ist dazu unerlässlich. Um die schmerzenden Gelenke bei Übergewicht nicht zusätzlich zu belasten, empfehlen sich zunächst gelenkschonende Sportarten wie beispielsweise Wassergymnastik.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Neben einer grundsätzlich gesunden Ernährung sollten gerade Rheumapatienten auf eine Ernährung mit geringer Arachidonsäurezufuhr achten. Dabei handelt es sich um eine semiessentielle Fettsäure, die vor allem in beispielsweise Produkten vom Schwein sowie Eigelb enthalten ist. Arachidonsäure ist für die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe verantwortlich und begünstigt damit die Entstehung rheumatischer Prozesse.

Grundsätzlich gilt: eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann die Gefahr des Auftretens von Gelenkerkrankungen bei Übergewicht reduzieren.

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