Diagnose Übergewicht: Meist haben Betroffene einen weiten Weg hinter sich

Wer von starkem Übergewicht betroffen ist, sucht in vielen Fällen aktiv die Hilfe eines Arztes. Häufig haben Übergewichtige schon einen langen, aber erfolglosen Kampf mit ihren überflüssigen Pfunden hinter sich. Sie haben verschiedene Diäten ausprobiert, versucht, ihre Ernährung umzustellen und sind dennoch Opfer des Jo-Jo-Effekts geworden. Die Diagnose Übergewicht kommt für viele Patienten daher nicht überraschend. Doch wie sehen die weiteren Schritte der Untersuchung aus?

Ein Blick des Arztes reicht für die Erstdiagnose

Ärztin stellt bei älterer Dame die Diagnose Übergewicht

Die Diagnose von Übergewicht gehört zu den sogenannten Blickdiagnosen. Das bedeutet: Um Übergewicht festzustellen, ist zunächst nichts weiter nötig, als ein einfacher Blick des Arztes auf seine Patienten. Doch auch, wenn dies ausreicht, um die Anfangsdiagnose „Übergewicht“ zu stellen, ist die Arbeit des Arztes damit noch nicht abgeschlossen.

Weiterführende Untersuchungen geben genaueren Aufschluss über das Ausmaß des Übergewichts – von leichten Gewichtsproblemen bis Adipositas Grad 3. Außerdem wird versucht, die Gründe für das Übergewicht zu ermitteln. Abschließend schaut der behandelnde Arzt, ob und welche Folgen des Übergewichts bereits vorhanden sind. Auf der Basis dieser Ergebnisse kann er gemeinsam mit dem Patienten einen geeigneten Therapieplan entwickeln.

Ein Gespräch steht am Anfang der Untersuchung bei Übergewicht

Der erste Schritt nach der Blickdiagnose ist ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch. Dies ist für eine genaue Diagnose des Übergewichts unabdingbar und dient dazu, die Ursachen des Übergewichts zu erkennen. Mögliche Fragen betreffen:

  • die Essgewohnheiten,
  • das Freizeitverhalten und sportliche Aktivitäten,
  • die Vorgeschichte des Übergewichts einschließlich früherer Erkrankungen und
  • den privaten Hintergrund (Kindheit, Beruf und Familie).

Fragen wie diese sind außerdem wichtig, um den psychologischen Aspekt des Übergewichts zu beleuchten. Gerade bei schwerem Übergewicht und Adipositas spielt dieser Faktor eine nicht unerhebliche Rolle. Bestand das Übergewicht bei dem Patienten beispielsweise schon seit der Kindheit, kann das übermäßige oder süße Essen eine Ersatzhandlung für fehlende Zuwendung gewesen sein.

Stressfaktoren, auch Stressoren genannt, schlagen bei einigen Menschen jedoch auch noch im Erwachsenenleben zu Buche. Wer Stress in der Familie oder im Beruf hat, kompensiert diesen manchmal durch ungesundes Essen, das im Körper vermehrt für die Ausschüttung von Endorphinen (umgangssprachlich Glückshormone) sorgt. Dazu zählen zum Beispiel Süßigkeiten oder Fastfood.

In einem ersten Anamnesegespräch wird auch die Motivation thematisiert, die den übergewichtigen Patienten dazu geführt hat, sich professionelle Hilfe zu suchen. Nur wenn der Betroffene seine Situation selbst realistisch einschätzt und bereit ist, aktiv etwas gegen sein Übergewicht zu unternehmen, kann eine Gewichtsreduktion erfolgreich verlaufen.

Körperliche Untersuchung zur Diagnose von Übergewicht

Im Anschluss an das umfangreiche Anamnesegespräch folgen einige körperliche Untersuchungen. Diese sollen das Ausmaß des Übergewichts bestimmen sowie medizinische Ursachen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion, ausschließen. Zudem können dabei die Begleiterscheinungen des Übergewichts diagnostiziert werden, die bis dahin bereits aufgetreten sind.

Um die Dimension des Übergewichts zu ermitteln, misst der Arzt zunächst den Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert gibt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße wieder und liefert mithilfe einer BMI-Tabelle einen Anhaltspunkt über das Ausmaß des Übergewichts, beziehungsweise den Schweregrad der Adipositas.

Anschließend an die Berechnung des BMI-Wertes werden Hüft- und Bauchumfang gemessen, um die Verteilung des Fettes zu dokumentieren. Dabei gilt grundsätzlich, dass Bauchfett gesundheitsschädlicher ist, als die Fettpolster an den Hüften oder Oberschenkeln.

Sind auch diese Werte erfasst, folgt eine Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems. Basisuntersuchungen sind hierbei:

  • ein Belastungs-EKG,
  • eine Blutdruckmessung sowie
  • gegebenenfalls ein Ultraschall vom Herzen und
  • von der Halsschlagader.

Diese Untersuchungen geben Anhaltspunkte für das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko des Patienten. Ist dieses deutlich erhöht, muss eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Die sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA, wird in manchen Fällen eingesetzt, um die Fettverteilung genauer zu untersuchen. Hierbei wird mittels eines schwachen, nicht spürbaren Wechselstroms der Körperwiderstand gemessen. Da Fett einen höheren Widerstand als alle anderen Bestandteile des Körpers hat – zum Beispiel höher als Muskeln und Wasser – kann so die Fettverteilung noch genauer berechnet werden als mit der Messung von Hüft- und Bauchumfang.

Diagnose von Übergewicht: Die Untersuchung von Laborparametern

Weitere ärztliche Untersuchungen betreffen die Ermittlung von verschiedenen Laborparametern. Sie dienen ebenfalls dazu, krankheitsbedingte Ursachen für das Übergewicht sowie Folge-Erkrankungen auszuschließen. Gemessen wird zum Beispiel:

  • Der Nüchternblutzucker: Dieser Wert wird mittels einer Blutprobe aus der Fingerkuppe oder dem Ohrläppchen ermittelt, am besten vor dem Frühstück. Er kann einen ersten Anhaltspunkt liefern, ob ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Dieser Diabetestyp, bei dem der Körper nicht mehr korrekt auf das Hormon Insulin reagiert, kommt bei übergewichtigen Menschen vergleichsweise häufig vor.
  • Das Albumin-Kreatin-Verhältnis im Morgenurin: Ein erhöhter Albumin-Wert ist ebenfalls ein Anzeichen für Diabetes. Albumin ist ein wasserlösliches Protein und Kreatin eine Substanz, die für den Energiestoffwechsel wichtig ist.
  • Der Wert des ACTH: Die Abkürzung ACTH steht für adrenokortikotropes Hormon. Ist dieses erhöht, liegt vermutlich ein Cushing-Syndrom vor. Bei diesem kommt es zu einer vermehrten Bildung des körpereigenen Hormons Kortisol in der Nebennierenrinde. Typische Beschwerden bei dieser Störung sind ein starkes Übergewicht, besonders im Bereich des Bauches, des Gesichts (Vollmondgesicht) und des Nackens (Stiernacken).

Erst nachdem der Arzt diese grundlegenden Untersuchungen durchgeführt hat, können pathologische Ursachen für Übergewicht ausgeschlossen werden. Dies ist wichtig, um eine schwere Krankheit, für die Übergewicht symptomatisch ist, nicht zu übersehen. Auch deshalb ist dringend zu empfehlen, bei einem schwer zu bekämpfenden Übergewicht in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen.

Abschließend: Der Therapieplan nach der Diagnose Übergewicht

Der letzte Schritt nach der Diagnosestellung von Übergewicht besteht darin, gemeinsam mit dem Arzt einen geeigneten Therapieplan zu erstellen. Dieser sollte keinesfalls ausschließlich auf die Ernährung beschränkt sein. Auch Bewegungstherapie oder Sport – sofern das Übergewicht dies zulässt – sollten Bestandteile des Therapieplans sein. Bei psychisch bedingtem Übergewicht, dem Verdacht einer mangelhaften Konfliktlösung oder „Essen durch Frust“ ist zudem eine begleitende Psychotherapie angeraten.

Fazit: Die Diagnose Übergewicht ist aufgrund der unterschiedlichen und zahlreichen Ursachen sehr komplex. Für einen dauerhaften Abnehmerfolg ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll.

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