Ist eine Gewichtszunahme durch Medikamente möglich?

Nicht immer ist nur die Ernährung schuld an einer Gewichtszunahme. Teilweise verursachen auch einige Medikamente, dass sich als Nebenwirkung Fettpolster bilden. Für die Betroffenen ist dies besonders frustrierend, da sie das Gefühl haben, keinen Einfluss mehr auf ihre Figur nehmen zu können. Es ist daher sehr wichtig, dass Ärzte und Apotheker ausreichend über mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten, wie eben beispielsweise eine Gewichtszunahme, informieren. Ein Medikamentenwechsel kann in vielen Fällen helfen, das Gewicht wieder zu normalisieren. Andernfalls benötigen Patienten, die durch Medikamente an Gewicht zugelegt haben, oftmals sehr lange, um ihr Übergewicht zu reduzieren.

Tabletten und Kapseln – eine Gewichtszunahme kann als Nebenwirkung auftreten.

Welche Medikamente führen zu einer Gewichtszunahme?

Vorab: Es gibt kein Medikament, das gezielt eine Gewichtszunahme verursacht. Als unerwünschte Nebenwirkung können einige Tabletten und Kapseln jedoch aufgrund ihrer Wirkstoffe zu einer Gewichtszunahme führen. Zwar wird bei der Entwicklung eines Medikaments darauf geachtet, Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten – ganz vermeiden lassen sie sich meist jedoch nicht. Zudem reagiert jeder Körper anders auf medizinische Wirkstoffe. Manche Patienten nehmen bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten zu, andere wiederum nicht. Eine Pauschalaussage macht das unmöglich.

Bestimmte Medikamente führen statistisch gesehen häufiger zu Gewichtssteigerungen beim Patienten als andere. Antibiotika gehören beispielsweise dazu. Eine Gewichtszunahme kann schon nach kurzer Einnahme bis zu zehn Prozent betragen.

Untersuchungen lassen einen Zusammenhang zwischen wiederholter Antibiotika-Gabe in der frühen Kindheit und einer Gewichtszunahme im Erwachsenenalter vermuten. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2015 konnte dies bestätigen.

Als Ursache für die Gewichtszunahme durch Medikamente vermuten Forscher eine gestörte Darmflora. Durch die Einnahme von Antibiotika werden auch nützliche Bakterien, die der Körper benötigt, abgetötet. Langfristig kommt es zu einer dauerhaften Störung der Darmflora, die dazu führt, dass Nahrungsmittel vom Körper anders verstoffwechselt werden. Dies bedeutet aber nicht, dass die entsprechenden Medikamente niemals verordnet werden sollten: Bei bestimmten bakteriellen Erkrankungen ist die Einnahme von Antibiotika erforderlich, um schwere Komplikationen zu verhindern.

Machen Antidepressiva dick?

Auch Medikamente gegen depressive Erkrankungen (Antidepressiva) sowie zur Behandlung von Psychosen (Neuroleptika) stehen häufig in Zusammenhang mit einer unerwünschten Gewichtszunahme. Gerade bei Depressionen besteht eine komplexe Wechselwirkung mit Übergewicht: Einerseits kann Übergewicht die Ursache und Folge einer depressiven Erkrankung sein – und den Appetit steigern sowie zu Heißhungerattacken und Frustessen führen –, andererseits können Antidepressiva eine unerwünschte Gewichtszunahme bewirken.

Antidepressiva haben eine unterschiedliche Wirkungsweise; nicht alle Wirkstoffe führen zwangsläufig zu Übergewicht. Sogenannte tri- und tetrazyklische Antidepressiva regen je nach Wirkstoff mehr oder weniger stark den Appetit an. Auch bei den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSR) gibt es Unterschiede: Einige führen zu mehr Pfunden, andere wirken gewichtsneutral oder führen sogar zu einer Gewichtabnahme. Die Gruppe der MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) sind Mittel der zweiten Wahl und führen in der Regel nicht zu einer Gewichtszunahme.

Bei den Neuroleptika unterscheiden Experten zwischen traditionellen und neueren Wirkstoffklassen (atypische Neuroleptika). Je nach Gruppe kann es zu einer Gewichtszunahme durch die Medikamente kommen. Ältere Neuroleptika führen seltener zu einer Gewichtszunahme als Neuroleptika der zweiten Generation. Die Ursache für eine Gewichtzunahme wird auf die Wirkung dieser Medikamente zurückgeführt: Der beruhigende Effekt führt dazu, dass der tägliche Energieverbrauch sinkt. Wenn die Kalorienaufnahme jedoch nach wie vor gleichbleibt oder sogar steigt, erhöht sich das Gewicht.

Kortison und Lithium: Bekannt für ihren gewichtssteigernden Einfluss

Ein medizinischer Wirkstoff, dessen Einfluss auf das Körpergewicht heute nicht mehr bestritten wird, ist Kortison. Er wird beispielsweise

  • bei Asthma,
  • Allergien,
  • Hauterkrankungen
  • und Rheuma eingesetzt, um die Beschwerden zu lindern.

Allerdings nimmt Kortison auch Einfluss auf das Hungergefühl und den Stoffwechsel. Es regt den Appetit an und verlangsamt gleichzeitig die Fett- und Zuckerverwertung; in der Folge verbrauchen Betroffene zu wenig Energie und nehmen zu. Zudem erhöht Kortison den Blutzuckerspiegel: Dieser unverbrauchte Zucker muss durch das Hormon Insulin in Muskel- oder Leberzellen abgespeichert werden. Sind die Vorräte jedoch voll, wird der Zucker als Fett abgelagert; letzten Endes entstehen also mehr Fetteinlagerungen im Körper.

Wem eine längere Behandlung mit Kortison bevorsteht, der tut gut daran, sich möglichst kalorienarm zu ernähren. Auf diese Weise kann der Gewichtszunahme durch kortisonhaltige Medikamente entgegengewirkt werden.

Lithium gehört zu den Antidepressiva, die häufiger in Verdacht stehen, Gewichtszunahmen auszulösen. Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva ist der direkte Einfluss hier jedoch nachweisbar. Das Medikament, das hauptsächlich zur langfristigen Vorbeugung und Behandlung von manisch-depressiven Störungen Einsatz findet, kann die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Unter einer Behandlung mit Lithium steigt die Konzentration des Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) im Blut an. Seine Funktion ist es, die Schilddrüse zu stimulieren. Wird also durch Lithium eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst, führt das schließlich zu einer Gewichtszunahme.

Bluthochdruck- und Migränemedikamente verringern die Fettverbrennung

Übergewichtige Menschen leiden häufig an Bluthochdruck. Wenn zur Senkung des Bluthochdruckes vom Arzt Medikamente verordnet werden, wird das Abnehmen allerdings meist zusätzlich erschwert. Der Grund: Die Medikamente verringern den Energiestoffwechsel, indem sie die Muskelspannung reduzieren. Der Körper kontrahiert die Muskeln bei Bewegung weniger stark, sodass die Fettverbrennung sinkt. Dem Organismus steht so mehr überschüssige Energie zur Verfügung, die er schließlich in Fettpolstern anlegt.

Auch einige Migränemedikamente können zu einer Gewichtszunahme führen, da sie unter Umständen appetitanregend wirken. Andere, zur Migräne-Vorbeugung eingesetzte Medikamente, die sogenannten Calcium-Kanal-Blocker, wirken entspannend auf die Muskulatur der Gefäße, die Muskelkontraktion lässt nach und der Energieverbrauch bei Bewegung ist reduziert.

Fazit: Zu einer Gewichtszunahme durch Medikamente kann es kommen, wenn die Arzneimittel den Appetit steigern oder den Energieverbrauch reduzieren. Gelegentlich stehen jedoch andere Ursachen hinter einer Gewichtszunahme, die fälschlicherweise dem Medikament zugeschrieben werden. Ein Gespräch mit dem Arzt, der betroffene Patienten zu einem eventuellen Medikamentenwechsel oder anderen Möglichkeiten der Gewichtsreduktion beraten kann, ist hilfreich. Er stellt auch fest, ob die Gewichtszunahme auf Fett- oder Wassereinlagerungen beruht.

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