Adipositas-Kur: Letzte oder beste Chance?

Die Geborgenheit und Sicherheit der eigenen vier Wände zu verlassen, ist für viele Patienten mit Adipositas ein unangenehmer Gedanke. Sie scheuen sich daher, eine Behandlung ihres Übergewichts in einer Adipositas-Klinik anzutreten. Andere wiederum sehen gerade in einer stationären Behandlung die beste Chance, die überflüssigen Pfunden endlich loszuwerden – und damit zu einem gesünderen und angenehmeren Leben zu finden. Doch was geschieht eigentlich bei einer Adipositas-Kur? Und was sind die Voraussetzungen der stationären Kur zum Abnehmen?

Aufbau einer Adipositas-Kur

Adipositas Kur: Gruppe übergewichtige Menschen fahren in eine Adipositas Klinik

Ist ein Patient fettleibig, braucht es mehr als eine kalorienreduzierte Kost. Denn bei Adipositas Grad I bis III ist das Maß des „normalen“ Übergewichts, das ausschließlich auf ungesunder und falscher Ernährung beruht, überschritten. Eine Ernährungsumstellung alleine wird hier deshalb wenig Erfolg haben. Zudem haben die meisten Menschen, die von Adipositas betroffen sind, schon mehrfach und über Jahre hinweg erfolglos versucht abzunehmen und ihr Übergewicht auf diese Weise loszuwerden.

Im Gegensatz zu einer Diät oder einer einfachen Ernährungsumstellung, wird bei einer Adipositas-Kur das Übergewicht ganzheitlicher behandelt. Gestützt wird die Adipositas-Kur in der Regel von folgenden Säulen:

  • Psychotherapie und Ursachenforschung: Fettleibigkeit hat oft tiefere Gründe als nur Spaß am Essen. Essen kann beispielsweise eine Ersatzhandlung sein, wenn Einsamkeit oder Liebesentzug herrschen. Auch Stress wird von manchen Betroffenen durch Essen ausgeglichen. Um diese und andere Ursachen für Adipositas zu ermitteln, ist die Psychotherapie mit Ursachenforschung ein wichtiger Bestandteil einer Adipositas-Kur.
  • Erweiterung des Wissens über eine gesunde Ernährung: Was ist eigentlich gesund und welche Lebensmittel sollte man besser meiden? Es ist oft erstaunlich, wie groß die Wissenslücken zu diesem Thema bei Adipositas-Patienten noch sind. Gerade adipöse Kinder haben hier Nachholbedarf. Mit einem verbesserten Wissen über gesunde Ernährung fällt auch die Ernährungsumstellung im Rahmen der Adipositas-Kur leichter.
  • Ernährungsumstellung: Sie ist einer der Hauptaspekte in einer Adipositas-Kur. Erfolgt die Behandlung der Fettleibigkeit in einer Adipositas-Klinik, kann die Ernährungsumstellung optimal überwacht und Fehler können rechtzeitig behoben werden. Zudem fällt es Betroffenen in der Gemeinschaft oft leichter, die Umstellung der Ernährung durchzuhalten und das überflüssige Gewicht abzunehmen.
  • Bewegungstherapie: Bei schwerem Übergewicht ist es unmöglich, dieses alleine durch eine Ernährungsumstellung los zu werden. Die Bewegungstherapie ist daher eine weitere, wichtige Säule einer erfolgreichen Adipositas-Kur.

Außerdem ist gerade bei der Behandlung von Adipositas die engmaschige, medizinische Kontrolle wichtig. Diese geschieht nicht nur, um den Erfolg der Therapie zu protokollieren und bei etwaigen Rückfällen rechtzeitig einschreiten zu können, sondern auch, um mögliche gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Adipositas-Kur beantragen: Die Voraussetzungen

Obwohl Adipositas schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich zieht, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Schlaganfall reichen können, scheuen sich manche Krankenkassen, die Kosten für eine Adipositas-Kur zu übernehmen.

Wer privat krankenversichert ist, hat gute Voraussetzungen, dass die Kosten für die Adipositas-Kur übernommen werden – manchmal sogar bis zu 100 Prozent. Bei vielen gesetzlichen Krankenkassen gestaltet sich die Beantragung einer Adipositas-Kur oft schwieriger - vor allem, wenn sie in einer spezialisierten Adipositas-Klinik stattfinden soll und nicht ambulant.

Sowohl für privat als auch für gesetzlich Versicherte ist die Voraussetzung: Der Antrag muss durch den behandelnden Hausarzt gestellt werden. Dieser ist verpflichtet, die medizinische Notwendigkeit einer stationären Kur klar darzulegen. Ist man schon länger mit Übergewicht beim gleichen Arzt in Behandlung, hat man in der Regel die größte Aussicht auf Erfolg.

Eine ambulante Behandlung von Adipositas wird von den Krankenkassen oft bevorzugt, denn eine stationäre Behandlung ist natürlich teurer. Erfolgsversprechender aber ist die Adipositas-Kur dann, wenn sie wenigstens für einen gewissen Zeitraum (etwa drei Wochen) stationär durchgeführt wird. Der Grund dafür ist die größere Individualität und ein umfangreicheres Programm bei einer stationären Kur.

Nach der Beantragung ist der Bescheid durch die Krankenkasse abzuwarten. Lehnt diese die Adipositas-Kur ab oder möchte allenfalls eine ambulante Therapie bezahlen, gibt es die Möglichkeit, innerhalb von 28 Tagen Widerspruch einzulegen. Ist der Antrag bewilligt, haben Adipositas Patienten vier Monate Zeit, die stationäre Kur gegen Übergewicht anzutreten. Verstreicht dieser Zeitraum ungenutzt, muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Die richtige Adipositas-Klinik für die stationäre Abnehmkur finden

Nach der Kostenzusage der Krankenkasse für die stationäre Kur, liegt es alleine am Patienten, welche Klinik er für seine Adipositas-Behandlung wählt. In Deutschland herrscht die sogenannte freie Klinikwahl. Das bedeutet: Die Krankenkasse kann Vorschläge machen, jedoch nicht bestimmen, wo die Therapie durchgeführt wird.

Ob es für den Patienten sinnvoller ist, die Übergewicht-Kur möglichst weit weg von Zuhause anzutreten, oder doch eher in näherer Umgebung, muss er individuell entscheiden.

Die einzige Bedingung, die eine Krankenkasse stellen kann, ist, dass die Klinik für die Behandlung von Adipositas qualifiziert sein muss. Das ist jedoch ohnehin im Sinne des Betroffenen. Denn nur, wenn sich eine Adipositas-Kur mindestens auf die drei Säulen Ernährungsumstellung, Bewegungs- und Psychotherapie stützt, kann die Therapie zum Abnehmen Erfolg haben.

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