Ursachen von Übergewicht: Gewichtszunahme aufgrund einer Krankheit

Bei Übergewicht und Fettleibigkeit ist nicht immer falsche Ernährung oder Bewegungsmangel die Ursache. Neben der genetischen Veranlagung gibt es auch Krankheiten, die zu einer Gewichtszunahme führen können. Einen Überblick über die verschiedenen, gewichtsfördernden Krankheiten erhalten Sie hier.

Vorurteile ade: Krankheiten als Ursache von Übergewicht

Fettleibige Frau leidet unter der Krankheit Diabetes als Ursache von Übergewicht

In der Gesellschaft hält sich eisern das Vorurteil, dicke Menschen seien selbst schuld an ihrer Situation. Sie seien zu faul, um sich sportlich zu betätigen und zu undiszipliniert für eine Ernährungsumstellung. Zugegeben gibt es Menschen, deren Übergewicht auf solche Ursachen zurückzuführen ist, allerdings ist es fraglich, alle Übergewichtigen über einen Kamm zu scheren. Schließlich stecken hinter der Gewichtszunahme häufig auch ernstzunehmende Krankheiten.

Schilddrüsenunterfunktion: Langsamer Stoffwechsel als Ursache von Übergewicht und Adipositas

Die Schilddrüse nimmt zusammen mit den Hormondrüsen einen großen Einfluss auf die Prozesse des Körpers wie Stoffwechsel und Kreislauf. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) liegt eine Krankheit vor, bei welcher die Hormone Tetrajodthyronin (T4) und Trijodthyronin (T3) in geringerer Menge ausgebildet werden. In der Folge ist der Stoffwechselprozess verlangsamt und die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab.

Neben trockener Haut oder erhöhter Kälteempfindlichkeit, haben Betroffene häufig Probleme, ihr Gewicht zu halten. Der Grund: Läuft der Stoffwechsel zu langsam, erhält der Körper nur wenig Energie – die Folgen sind nicht nur Antriebslosigkeit und Müdigkeit, sondern auch, dass der Körper nicht auf das Eigenfett zugreift. Denn über die Nahrung wird ausreichend Energie – vielleicht auch zu viel – zugeführt. Eine Schilddrüsenunterfunktion gehört somit zu den Krankheiten, die eine Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit darstellen können.

Erfahren Sie mehr über die Schilddrüsenunterfunktion, ihre Auswirkung auf das Gewicht und wie Sie diese behandeln können.

Das Cushing-Syndrom: Krankheit mit Überangebot an Hormonen

Beim sogenannten Cushing-Syndrom sammelt sich das Fett bevorzugt im Rumpfbereich (geläufige Begriffe: Stammfettsucht, Stiernacken und Vollmondgesicht), während Arme und Beine dünn bleiben. Die Gewichtszunahme ist bei dieser Krankheit nur eines der typischen Symptome: Betroffen leiden häufig auch unter Hautveränderungen wie roter Gesichtshaut oder Akne. Zudem können Krankheiten wie Diabetes mellitus oder eine Erhöhung des Cholesterinspiegels auftreten.

Auslöser für das Cushing-Syndrom ist ein zu hoher Kortikoid-Spiegel (Hyperkortsolismus). Die Hormone, Glukokortikoide, nehmen unter anderem Einfluss auf den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System. Ein Überangebot der Hormone kann zu den genannten Beschwerden führen und hat nicht selten Übergewicht oder Fettleibigkeit zur Folge.

Tumoren als Ursache für Übergewicht

Eine Gewichtszunahme kann auch durch hormonproduzierende Tumoren verursacht werden. Unabhängig davon, ob diese gut- oder bösartig sind, wirken sich die Tumoren in der Nähe von Hormon-Drüsen auf deren Freisetzung aus. Die Tumoren können beispielsweise in der Nebenniere, der Hirnanhangsdrüse oder der Schilddrüse vorkommen. Eine Überproduktion oder Unterfunktion kann die Folge dieser Krankheit sein – und damit verbunden auch eine Gewichtszunahme. Beispielsweise setzt ein Tumor in der Hirnanhangdrüse (Morbus Cushing) eine vermehrte Produktion von Kortisol in Gang. Dieses Hormon nimmt Einfluss auf einige Stoffwechselprozesse im Körper, unter anderem den von Fett- und Muskelzellen. Bei dieser Erkrankung ist Übergewicht, bis hin zur Fettleibigkeit, eines der typischen Symptome.

Übergewicht durch krankhaftes Essverhalten

Neben den bekannten Essstörungen wie Bulimie und Magersucht, gibt es auch die sogenannte Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder). Das englische Wort ‚Binge‘ steht für Gelage oder Prasserei und meint übermäßiges Essen oder Trinken. Wer eine solche Krankheit vorweist, leidet unter wiederholten Essanfällen, die schließlich zu einer Gewichtszunahme führen können. Betroffene dieser Störung verlieren die Kontrolle über ihr Essverhalten, zumindest fühlt es sich für sie so an. Das heißt, bei den immer wiederkehrenden Heißhungerattacken essen sie eine große Menge an Nahrung. Weshalb es zu diesen Essattacken kommt, konnte bislang nicht eindeutig erwiesen werden. Allerdings geht die Krankheit bei vielen Betroffenen mit Depressionen einher.

Psychische Probleme – Übergewicht entsteht im Kopf

Übergewicht hat nicht immer körperliche Ursachen, auch seelisch bedingte Krankheiten kommen für die Fettleibigkeit in Frage. Diese können zum Beispiel im frühen Alter durch Verlusterlebnisse wie die Trennung der Eltern ausgelöst werden. Aber auch andere belastende Gefühle, zum Beispiel Einsamkeit, Ängste, Depressionen oder Langeweile, können ursächlich für ein verändertes Essverhalten sein. Dieses zeichnet sich mitunter dadurch aus, dass mit der Nahrungszufuhr die belastenden Gefühle ersetzt beziehungsweise „unterdrückt“ werden sollen. Der Grund: Beim Essen wird das Hormon Dopamin ausgeschüttet, das gemeinhin auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Nach dem Essen fühlen sich Betroffene emotional besser. Um dieses neue, bessere Gefühl beizubehalten, kann es zu einer erhöhten Nahrungszufuhr kommen, welche häufig mit Übergewicht und Adipositas einhergeht.

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