Bewegungsmangel schlägt auf die Gesundheit

Weltweit wird die Gesundheit des Menschen durch drei Faktoren beeinflusst: Alterung, akute und chronische Erkrankungen sowie ein ungesunder Lebensstil wie etwa Rauchen, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Eine der Ursachen für den Bewegungsmangel ist, dass immer mehr Berufe und Tätigkeiten im Sitzen ausgeführt werden. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen fördert die immer stärkere Nutzung von elektronischen Medien den Bewegungsmangel.

Warum wir uns zu wenig bewegen

Übermäßige Tabletnutzung einer Frau als Ursache für Mangelbewegung mit der Folge Übergewicht

Nach hohem Blutdruck (13 Prozent), Tabakkonsum (neun Prozent) und hohem Blutzucker (sechs Prozent) steht mangelnde Bewegung (sechs Prozent) an vierter Stelle der Risikofaktoren für die Gesundheit mit schwerwiegenden Folgen. Um einem Bewegungsmangel als Ursache von Übergewicht entgegenzuwirken, existieren bereits EU-Richtlinien für körperliche Aktivität1 die unter anderem die Bereiche Sport und Gesundheit aufgreifen.

Insbesondere in Ländern mit einem hohen Anteil an übergewichtigen Menschen soll mit diesen Empfehlungen den Folgen von Bewegungsmangel, beispielsweise Muskelabbau oder Übergewicht, entgegengewirkt werden.

Es gibt vielfältige Ursachen für Bewegungsmangel. Diese können beispielsweise

  • fehlende Motivation sein, die schlicht aus Bequemlichkeit entsteht,
  • aber auch mangelnde Disziplin,
  • Krankheiten oder Behinderungen
  • sowie Stress und Überforderung kommen als Ursachen infrage.

Die Freude an der Bewegung geht dabei verloren und das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung siegt.

Bewegungsmangel und die Folgen

Unser Körper verbraucht Energie durch Bewegung. Körperliche Aktivitäten sind daher ein wichtiger Faktor, um den Energiehaushalt anzukurbeln und das Gewicht zu kontrollieren. Zudem werden durch körperliche Aktivität Muskeln aufgebaut, die wiederum unseren Bewegungsapparat stützen und stabilisieren. In der Folge können Gelenkerkrankungen und Rückenproblemen vorgebeugt werden. Außerdem: mehr Muskeln verbrennen mehr Fett.

Allerdings werden viele Berufe und Tätigkeiten heutzutage im Sitzen ausgeübt. Für diese Form ist der menschliche Körper jedoch nicht vorgesehen: evolutionsbedingt ist er eigentlich für längere Laufstrecken gedacht.2 Da Bewegung für den Körper unerlässlich ist, zieht ein Bewegungsmangel Folgen nach sich. Unter anderem können sich bei zu wenig Bewegung die Muskeln und Sehnen verhärten, was Kopfschmerzen und Verspannungen zur Folge hat. Eine falsche Haltung oder zu langes Sitzen beanspruchen beispielsweise die Muskulatur des Rückens falsch – in der Folge kann eine Haltungsschwäche bis zum Haltungsschaden entstehen. Ebenso werden Bauch- und Gesäßmuskulatur im Sitzen zu wenig beansprucht.

Die Folgen von mangelnder Bewegung im Überblick:

  • Übergewicht
  • Rückenprobleme
  • Gelenk- und Gliederschmerzen
  • vermindertes Körperbewusstsein
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (beispielsweise Herzinsuffizienz, Bluthochdruck)
  • Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Blutfettwerte), Stoffwechselstörungen (beispielsweise Diabetes mellitus)

Zu langes Sitzen kann außerdem zu Verdauungsproblemen führen. Durch die oftmals gekrümmte Haltung ist der Darm in seiner Bewegung eingeschränkt, ihm fehlt der nötige Raum zum Arbeiten. Die Unterbrechung verursacht eine Anstauung der vom Darm abzutransportierenden Nahrungsmittel – schmerzende Blähungen entstehen.

Eine Folge von Bewegungsmangel kann außerdem ein Überschuss an aufgenommener Energie sein: Das heißt, es werden mehr Kalorien aufgenommen, als der Körper verbraucht. Diese unverbrauchte Energie lagert der Körper als Fettdepots ab, was Übergewicht begünstigt und auch zu Adipositas führen kann. Jedes Kilogramm zu viel stellt eine starke Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Das Herz muss mehr pumpen, um Sauerstoff in die Gewebe zu transportieren. Kommen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Arteriosklerose hinzu, können die Folgen Herz- Kreislauf-Erkrankungen und im schlimmsten Fall ein Schlaganfall oder Herzinfarkt sein.

Ein Mangel an Bewegung kann auch das Risiko steigern, an bestimmten Krebsarten, Osteoporose oder psychischen Leiden (beispielsweise Depressionen) zu erkranken.

Wie viel Bewegung ist gesund?

Familiäre Verpflichtungen und Stress in der Arbeit sind eine häufige Ursache von Bewegungsmangel, da schlichtweg die Zeit fehlt, sich nach einem langen Tag noch für sportliche Aktivitäten zu motivieren. Gemäß der EU-Richtlinie sollte trotzdem möglichst zwei- bis dreimal pro Woche eine intensive körperliche Betätigung für zirka 20 Minuten eingeplant werden.

Im Bundesländervergleich zeigt sich, dass in Hamburg nur 49,5 Prozent der Befragten die Empfehlungen nach mehr körperlicher Aktivität erfüllen. Führend ist Sachsen mit 69 Prozent und Berlin mit 63,9 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass auch in Deutschland die Problematik einer mangelnden Bewegung ein immer ernster zu nehmendes Thema ist.3

Um einem Bewegungsmangel vorzubeugen, sollten Sie Sportarten wählen, die Ihnen Spaß machen und nicht gezwungenermaßen ausgeübt werden. Um überschüssige Kalorien zu verbrennen, ist besonders Ausdauersport geeignet. Dabei muss es nicht immer ein teures Abonnement in einem Fitnesscenter sein, um regelmäßig Sport zu treiben. Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren sind kostengünstig und bringen zudem viel Bewegung und Abwechslung – in der Natur. Ein Training mit körperlicher Aktivität und gleichzeitiger Entspannung bieten beispielsweise Yoga und Pilates. Dabei sollten Sie jedoch den Muskelaufbau nicht vergessen, denn umso mehr Muskeln desto mehr Fett wird verbrannt.

Das Angebot an Sport- und Fitnessmöglichkeiten ist groß. Um bei der Auswahl nicht den Überblick zu verlieren, ist es wichtig, dass Sie sich die Freude an der Bewegung erhalten. Sport-Einsteiger sollten zudem darauf achten, dass sie sich nicht mit anderen vergleichen: Entscheiden Sie individuell, was Ihrem Körper guttut, hören Sie auf die Signale Ihres Körpers und gewöhnen Sie sich langsam an das Plus an Bewegung.

Hier weiterlesen: Welcher Sport bei Übergewicht? >>

Folgen von Übergewicht und Adipositas >>

Erkrankungen als Ursache >>
1 Körperliche Aktivität der Deutschen nach der Bewegungsempfehlung der WHO im Bundesländervergleich. Statista 2015 (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/163286/umfrage/koerperliche-aktivitaet-der-deutschen-nach-bundesland/).
2http://www.n-tv.de/wissen/Mensch-lebt-nicht-mehr-artgerecht-article2956596.html
3http://ec.europa.eu/sport/library/policy_documents/eu-physical-activity-guidelines-2008_de.pdf