Blutgruppen-Diät – die Ernährung orientiert sich an AB und Co.

Die Blutgruppen-Diät ist bereits seit Mitte der neunziger Jahre bekannt. Sie beruht auf einer Theorie des Arztes D’Adamo, die besagt, dass wir je nach unserer Blutgruppe unterschiedliche Lebensmittel vertragen. Nehmen wir andere Lebensmittel zu uns als diejenigen, die für unseren individuellen Organismus gedacht sind, drohen laut Blutgruppen-Diät schwere Folgeerkrankungen. Diese würden im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Wie kommt D’Adamo zu dieser Annahme und was ist Wahres daran an dieser Blutgruppen-Theorie?

Angstmacher Lektine – können sie das Blut verklumpen?

Verscheidene Hülsenfrüchte sind Teil einer Blutgruppendiät

Peter D’Adamo stellt die Lektine an den Anfang allen gesundheitlichen Übels. Lektine sind Eiweiße (Proteine), meist pflanzlicher Herkunft, die mit spezifischen Zuckermolekülen Verbindungen eingehen können. So können sie fremde oder eigene Kohlenstoffe erkennen und daran binden. Lektine kommen in vielen Gemüsesorten (Hülsenfrüchte, Kartoffeln) natürlicherweise vor, sodass diese mit der Nahrung aufgenommen werden können.

Die Theorie von Peter D’Adamo lautet nun: Verzehren Menschen Nahrungsmittel, die nicht zu ihrer Blutgruppe passen, können die darin enthaltenen Lektine sich an rote Blutkörperchen binden, wodurch diese verklumpen und in manchen Fällen Blutgefäße verstopfen (Hämagglutination). Der Naturheilmediziner D’Adamo stuft die Lektine daher in seiner Theorie zur Blutgruppen-Diät als grundsätzlich schädlich ein. Laut seiner Theorie sind sie für Organschädigungen verantwortlich und schwächen die Muskeln. Durch ihre Bindungsfähigkeit sollen sie sich auch an die Dünndarmwände anheften und diese schädigen. Der Darm kann undichte Stellen bekommen (Sickerdarm-Syndrom oder Leaky-Gut-Syndrome) und giftige Stoffe gelangen in den Blutkreislauf.

Lektine zur Blutgruppenbestimmung:

Bestimmte Lektine können die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) tatsächlich aneinander heften. Manche Lektine tun dies nur bei einer bestimmten Tierart oder Blutgruppe, andere sind „Allrounder“ und lassen die roten Blutkörperchen aller Lebewesen verklumpen. Sie werden deswegen von Medizinern bei Blutgruppentests im Labor eingesetzt.

Die Theorie einer Blutverklumpung durch Nahrung wird unter Wissenschaftlern allerdings sehr kritisch betrachtet. Beim rohen Verzehr lektinhaltiger Gemüsesorten können beim Menschen zwar Magenschmerzen auftreten. Jedoch werden Lektine in Lebensmitteln bereits durch 15-minütiges Kochen zerstört und dadurch ungefährlich für den Menschen. Außerdem spricht Folgendes gegen das Argument von Peter D’Adamo:

  • Normalerweise gehen Lektine aus der Nahrung nicht in den menschlichen Blutkreislauf über.
  • Verklumpungen im Blut nach dem Verzehr lektinhaltiger Lebensmittel konnten bisher nicht nachgewiesen werden.
  • Die Mengen, die zu einer theoretisch möglichen Verklumpung nötig wären, übersteigen das normale menschliche Essverhalten deutlich.

Die Blutgruppen-Diät scheint daher – nach dem jetzigen medizinischen Wissen – auf einer unrichtigen Behauptung über die Wirkung von Lektinen aus der Nahrung aufzubauen. D’Adamo und seine Anhänger sind allerdings von der Schädlichkeit der Lektine aus Erbsen & Co. überzeugt.

Geschichte der Blutgruppen nach D‘ Adamo

Um den Einfluss von Lektinen zu meiden, sei es daher notwendig, sich entsprechend des genetischen Erbes zu ernähren. Wie dieses aussieht, das verrät laut D’Adamo unsere Blutgruppe. Denn seiner Meinung nach haben sich alle Blutgruppen zu unterschiedlichen Zeiten der Evolution und unter verschiedenen Ernährungseinflüssen entwickelt.

  • So ist die Blutgruppe 0 die älteste aller Blutgruppen. Sozusagen die Urblutgruppe, die auch die ersten Menschen aufwiesen.
  • Mit dem Ackerbau entwickelte sich schließlich die Blutgruppe A. Nach D’Adamos Theorie sozusagen die Blutgruppe der Bauern.
  • Die Blutgruppe B hingegen entwickelte sich laut des Naturheilmediziners in Asien unter Nomaden, also dem wandernden Volk.
  • Erst zu jüngeren Zeiten, als die Bevölkerung Europas, nach Ansicht von D’Adamo vornehmlich Jäger und Bauern, und Asiens, vor allem Nomadenstämme, zusammentrafen, entstand die „moderne“ Blutgruppe AB.

In der Blutgruppen-Diät wird nun davon ausgegangen, dass die Blutgruppe eines Menschen bestimmt, welche Lebensmittel für ihn geeignet und gesund sind – und welche nicht.

Wer darf was essen?

Da Menschen mit der Blutgruppe 0 nach der Theorie, welche der Blutgruppen-Diät zugrunde liegt, die ersten Menschen waren, lebten diese als steinzeitliche Jäger und Sammler. Für sie waren daher vor allem Fleisch und Fisch die wichtigsten Nahrungsbestandteile. Menschen mit dieser Blutgruppe sollten sich in der heutigen Zeit an dieser Ernährungsweise orientieren, um gesund zu bleiben. Also, reichlich Fleisch und Fisch, aber auch Obst und verschiedenes Gemüse dürfen gerne verzehrt werden. Zu Problemen führen hingegen Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Getreide, denn diese Lebensmittel werden nur durch Ackerbau und Viehzucht gewonnen, die aber erst viel später im Zuge der Sesshaftigkeit betrieben wurden. In ihren Grundzügen ähnelt die Blutgruppen-Diät für Menschen mit der Blutgruppe 0 der Paleo-Diät.

Bei Menschen mit der Blutgruppe A gestaltet sich eine gesunde Ernährung nach D’Adamo jedoch grundlegend anders. Seiner Meinung nach hat sich die Blutgruppe A durch die ersten Menschen entwickelt, die Landwirtschaft betrieben. Diese Blutgruppe ist also mit den ersten Bauern entstanden. Menschen mit der Blutgruppe A sollten demnach vor allem Getreideprodukte mit vielen Kohlenhydraten zu sich nehmen. Peter D’Adamo vertritt nämlich die Ansicht, die ersten Bauern hätten weder Viehzucht noch Milchwirtschaft betrieben. Milchprodukte und Fleisch sind für Menschen der Blutgruppe A daher eher schädlich, Fisch hingegen in Ordnung. Im Allgemeinen sei eine vegetarische Ernährung für Menschen mit der Blutgruppe A in der Blutgruppen-Diät besonders gut geeignet.

Als Nomaden gelten nach D’Adamos Theorie Menschen, welche der Blutgruppe B angehören. Da Nomaden auf das angewiesen waren, was sie finden konnten, verträgt diese Gruppe fast alle Lebensmittel. Auch Milch- und die meisten Getreideprodukte dürfen gegessen werden. Lediglich Hülsenfrüchte, Weizen- und Roggenprodukte sowie Geflügelfleisch sollten weitgehend gemieden werden, da diese schädliche Lektine enthalten und den Darm belasten würden.

Der „Mischtyp“ aus Bauern und Nomaden, also Menschen mit der Blutgruppe AB, ist in seiner Ernährung am wenigsten eingeschränkt – trotz eines laut D’Adamo empfindlichen Verdauungssystems. Für den AB-Typen gilt: Erlaubt ist fast alles, was schmeckt. Sogar Weizen kann der Mischtyp, als einzige Blutgruppe, gut vertragen. Lediglich der Fleischkonsum sollte eingeschränkt sein.

Logikfehler in der Blutgruppen-Diät

Eine Ernährungsform, die Menschen in Schubladen steckt? Wer hier misstrauisch wird, ist es zu Recht. Und spätestens dann, wenn sich herausstellt, dass die Theorien von D’Adamo sogar weit über die Blutgruppen-Diät hinausgehen, wird das Ganze ad absurdum geführt. Nicht sehr schmeichelhaft meint D’Adamo zum Beispiel, Vegetarier – die häufig der Blutgruppe A angehören würden – seien zu weich und würden sich beispielsweise nicht als Führungskräfte eignen. Hierzu seien jedoch die Jäger der Steinzeit, die Blutgruppe 0, prädestiniert, da sie besonders durchsetzungsfähig sind.

Tatsächlich gibt es einige Fakten, die deutlich machen, wieso die Blutgruppen Diät keine haltbare medizinische Basis hat. Hier nur einige Beispiele:

  • Laut D’Adamo verträgt ausschließlich die Blutgruppe B Milchprodukte. Alle anderen Gruppen sollten diese weitgehend meiden. Die Blutgruppe B ist jedoch in Asien am häufigsten – genau wie die Laktoseintoleranz. Es ist erwiesen, dass Asiaten keine Milchprodukte vertragen, da ihnen das Enzym Lactase fehlt, welches den Milchzucker Laktose aufspaltet. Mediziner sprechen hier von einer Laktoseintoleranz.
  • Menschen mit der Blutgruppe A rät D’Adamo dazu, Fleisch und Fisch sowie Weizen zu meiden. Diese Nahrungsmittel sind aber schon über viele Jahrhunderte Grundnahrungsmittel in Europa, wo die Blutgruppe A am häufigsten vorkommt. An Sojaprodukte, wie sie von dem Naturheilmediziner empfohlen werden, geraten Menschen hierzulande aber erst seit dem vermehrten Im- und Exporthandel der letzten Zeit.
  • Es ist wissenschaftlich nicht geklärt, welche Blutgruppe tatsächlich die erste war. D’Adamos Theorien sind daher in keinem Punkt haltbar.

Auch Ernährungswissenschaftler warnen strikt vor der Blutgruppen-Diät und bewerten diese sogar als ungesund. Durch einen hohen Eiweißkonsum, zum Beispiel bei der Blutgruppe 0, können sogar Folgeerkrankungen entstehen. Die Thesen von D’Adamos über die Evolution der Blutgruppen, die letztendlich zu der Blutgruppen-Diät geführt haben, sind wissenschaftlich nicht belegbar. Einen positiven Aspekt gibt es jedoch: Wer sich mit der Blutgruppen-Diät beschäftigt, setzt sich intensiver mit seiner eigenen Ernährung auseinander und ernährt sich bewusster.

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