Sie leiden an Adipositas – ab wann sollten Sie zum Arzt?

Starkes Übergewicht belastet und gefährdet die Gesundheit – das steht außer Frage. Ab wann aber ist das Übergewicht bedenklich, sodass ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden sollte? Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage: „Adipositas – wann zum Arzt?“ gibt es nicht. Vieles liegt im persönlichen Ermessen des Betroffenen und kann nur individuell beantwortet werden. Jedoch gibt es einige Anzeichen, wann ein Arztbesuch bei Adipositas ratsam ist. Spätestens, wenn der Körper spürbar unter dem Übergewicht leidet, sollten sich Betroffene Hilfe suchen.

Übersicht: Wann ist ein Arztbesuch bei Adipositas ratsam?

Vielen Betroffenen fällt es schwer einzuschätzen, wann Sie wegen ihres Übergewichts einen Arzt aufsuchen sollten. Hier ein paar grundsätzliche Anhaltspunkte zur Orientierung:

  • Ärztliche Hilfe ist angeraten, wenn die Ursachen für das starke Übergewicht unklar sind. Nicht immer ist eine ungesunde Ernährung allein verantwortlich für zu viele Pfunde. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere hormonell bedingte Leiden sowie manche Krebsverläufe können ursächlich für Übergewicht sein. Deshalb gilt hier: Gehen Sie möglichst schnell zum Arzt, damit Sie Klarheit erlangen.
  • Wenn das Gewicht zur psychischen Belastung wird, sprich zum Dauerthema, und sich die Gedanken nur noch um die Zahl auf der Waage drehen, sollte ebenfalls schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Unabhängig vom tatsächlichen Gewicht können psychische Probleme lebensbedrohlich sein (Suizidgefahr) und bedürfen daher einer fachgerechten Behandlung.
  • Professionelle Unterstützung ist zudem ratsam, wenn Abnehmen in Eigenregie nicht mehr möglich ist und sich Verzweiflung und Resignation breitmachen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn bereits mehrere Diäten gescheitert sind.
  • Außerdem ist bei Adipositas ein Arztbesuch ratsam, wenn sich Begleiterscheinungen durch das Übergewicht eingestellt haben. Diese können beispielsweise Gelenkschmerzen, hoher Blutdruck oder häufiger Durst sein. Letzterer ist ganz besonders ernst zu nehmen, denn er deutet auf Diabetes vom Typ II.

Grundsätzlich muss niemand den Gang zum Arzt scheuen – auch nicht mit Übergewicht. Es ist die Aufgabe des Arztes, seine übergewichtigen Patienten in ihrem Abnehmwunsch zu unterstützen und sie verständnisvoll und respektvoll zu begleiten. Kommt er diesen Pflichten nicht nach, sollte man nicht zögern, sich einen anderen Arzt zu suchen. Vielleicht sogar einen, der auf Übergewicht spezialisiert ist.

Übrigens: Sollte sich ein Mediziner einmal ganz besonders unfreundlich gegenüber einem übergewichtigen Patienten verhalten, besteht die Möglichkeit, sich bei der Krankenkasse oder der Ärztekammer zu beschweren.

Wie sieht die Behandlung von Adipositas aus?

Ärzting hilft übergeichtiger Frau beim abnehmen

Für manch einen Übergewichtigen ist es eine Überwindung, mit seinen Gewichtsproblemen einen Arzt aufzusuchen. Ist dieser Schritt aber erst einmal gemacht, hat der Mediziner verschiedene Möglichkeiten, übergewichtige Patienten zu unterstützen und zu behandeln.

  • Zunächst erfolgt in der Regel eine umfassende Grunduntersuchung. Neben einer Blut- und Urinprobe beinhaltet diese die gründliche Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems. Außerdem werden Größe und Gewicht, gegebenenfalls auch Bauch- und Hüftumfang notiert.
  • In einem Anamnesegespräch versucht der Arzt herauszufinden, wo die Ursachen für das hohe Gewicht liegen. Hierbei werden Fragen zur Ernährung sowie zu Suchtverhalten und potentiellen Abhängigkeiten gestellt. Ehrlich währt hier am längsten, denn nur wenn der Arzt die Gründe und Auswirkungen von Übergewicht möglichst genau einschätzen kann, ist es ihm auch möglich, optimal zu helfen.

Gegebenenfalls sind mehrere Arztbesuche nötig, eventuell kommt der Mediziner aber auch gleich auf mögliche Behandlungsmethoden von Adipositas zu sprechen. Mit einer stationären Behandlung sind die meisten Ärzte zunächst zurückhaltend, denn dies verursacht für die Krankenkasse hohe Kosten. Die häufigste ärztliche Hilfe bei Übergewicht besteht daher in der Vermittlung einer ambulanten Therapie. Das kann eine Selbsthilfegruppe sein, aber natürlich auch der Besuch bei einem speziell geschulten Ernährungsberater. Eventuell weiß der Arzt auch über Programme Bescheid, die von der Krankenkasse des Patienten unterstützt werden und kann hierüber informieren. Auch operative Eingriffe wie beispielsweise eine Magenverkleinerung kommen in Frage. Sie stellen jedoch meist die letzte Konsequenz im Kampf gegen Adipositas dar.

Adipositas-Behandlung: Nicht zu viel erwarten – aber auch nicht zu wenig

Adipositas ist ein gesundheitliches Problem und folglich hat jeder Betroffene Anspruch auf ärztliche Beratung und Behandlung. Es gilt also, sich nicht zu schnell mit lockeren, aber wenig nützlichen Floskeln nach dem Motto „weniger essen und mehr bewegen“ abspeisen zu lassen. Diese Grundsätze kennt vermutlich jeder übergewichtige Mensch.

Vielmehr geht es darum, langfristige und verlässliche sowie erfolgreiche Hilfe im Kampf gegen die Pfunde zu bekommen. Und diese erlangt man nicht „zwischen Tür und Angel“. Ein guter Arzt nimmt sich Zeit für seinen Patienten und findet mit ihm gemeinsam die jeweils individuelle Lösung für das Problem Übergewicht.

Wer jedoch beim ersten Arztbesuch mit Gewichtsproblemen gleich einen Magenballon oder eine Magenband-OP verlangt, wird enttäuscht. Gerade in diesem Fall muss für Arzt und Krankenkasse nachvollziehbar sein, dass bisherige Abnehmversuche (Diät in Eigenregie, ambulante und stationäre Therapie) allesamt ohne Erfolg verliefen. Transparenz ist demnach ein weiterer Grund, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen und damit Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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