Folgeerkrankungen von Übergewicht

Übergewicht – für den Körper bedeutet das eine erhöhte Belastung und damit einhergehend ein gesundheitliches Risiko. Bei dauerhaftem oder stetig steigendem Übergewicht bleiben daher in vielen Fällen Folgeerkrankungen nicht aus. Das Fatale daran: Nicht immer sind diese wieder rückgängig zu machen. Eine Gewichtsreduktion kann jedoch häufig erste Beschwerden lindern.

Warum kommt es zu Krankheiten durch Übergewicht?

Mit jedem Kilo mehr steigt nicht nur die Körperfülle – auch im Inneren unseres Körpers beeinflusst das Übergewicht so einiges. Diese Veränderungen können zum Beispiel die Gelenke, den Stoffwechsel oder sogar den Hormonhaushalt betreffen.

Unterscheiden lassen sich bei den Folgeerkrankungen von Übergewicht körperliche und psychische Erkrankungen. Bei den körperlichen Beschwerden sind unter anderem die degenerativen Gelenkerkrankungen zu erwähnen wie die Arthrose. Hinzu kommen zum Beispiel Gefäßerkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind oder eine Entzündung der Leber (Folge einer Fettleber). Zudem ist starkes Übergewicht häufig mit einem Typ-2-Diabetes assoziiert. Im psychischen Bereich kommt es vor allem zu Depressionen als Folgeerkrankung von Übergewicht.

Zunächst wird auf die körperlichen Folgeerkrankungen eingegangen und anschließend ein Blick auf die seelischen Folgen geworfen.

Diabetes: Häufige Krankheit durch Übergewicht

Typ-2-Diabetes, der als Folgeerkrankung bei starkem Übergewicht sowie Bewegungsmangel bekannt ist, wird unter anderem durch eine sogenannte Insulinresistenz hervorgerufen. Die Körperzellen sind dann nicht mehr ausreichend empfänglich für das Hormon Insulin. Dieses Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, regelt den Blutzucker, indem es den Zucker aus dem Blut in die Zellen transportiert, die daraus ihre Energie gewinnen.

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen nicht mehr auf das Hormon und der Zucker bleibt im Blut. Die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerwert. Die Bauchspeicheldrüse reagiert darauf mit einer erhöhten Insulin-Produktion, um der Resistenz entgegenzuwirken; auf Dauer entwickelt sich aus diesem Kreislauf eine Zuckerkrankheit.

Bluthochdruck, Gefäßschädigungen und schmerzende Gelenke

Bluthochdruck ist ebenfalls ein häufig vorkommendes Symptom bei starkem Übergewicht und wird vor allem bei Fettablagerungen im Bauchbereich (Apfeltyp) als gefährlich eingestuft. Doch wie entsteht der Zusammenhang zwischen Blutdruck und Übergewicht?

Forscher fanden erst vor einigen Jahren heraus, dass ein erhöhter Insulinspiegel bei Übergewichtigen auch in Zusammenhang mit Bluthochdruck (Hypertonie) steht. Die chronische Erhöhung von Insulin hemmt den Botenstoff ANP (Atriales Natriuretisches Peptid), der im Herz gebildet wird. Dieser Botenstoff reguliert wichtige Vorgänge im Körper, die blutdrucksenkend wirken und somit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Bei übergewichtigen Personen ist diese Schutzwirkung gestört und die Konzentration des Botenstoffes im Blut ist zu niedrig: Das Fettgewebe baut ANP ab und hebt damit auch seine blutdrucksenkende Wirkung auf.1

Übergewicht führt außerdem zu Gefäßschädigungen und Folgeerkrankungen im Herz-Kreislauf-System. Übergewichtige weisen erhöhte Blutfette auf, die sich an den Wänden der Arterien ablagern. Langfristig führt dies zu einer Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) und erhöht damit das Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Schmerzende Gelenke sind ebenfalls ein Hinweis auf eine mögliche Folgeerkrankung. Aufgrund des hohen Gewichts, das die Gelenke eines übergewichtigen Menschen tragen müssen, wird die Gelenkschmiere zwischen den Gelenken über die Maßen beansprucht und unterliegt deutlichen Verschleißerscheinungen. Die Folge hieraus sind schmerzhafte Gelenkentzündungen (Arthrose) oder die Wirbelsäule betreffend auch Bandscheibenvorfälle.

Wie dauerhaft sind Krankheiten durch Übergewicht?

Die erste Maßnahme, um gesünder zu leben, bedeutet bei Übergewichtigen vor allem die Reduktion des Gewichts. Dennoch: Nicht immer vergisst der Körper alles nach einer erfolgreichen Ernährungsumstellung und weniger Pfunden auf der Waage. Während manche Folgeerkrankungen des Übergewichts, wie beispielsweise Atembeschwerden und Kurzatmigkeit, nach Gewichtsabnahme wieder verschwinden können und damit nicht dauerhaft sind, hinterlassen andere wiederum bleibende Schäden. So sind beispielsweise die Veränderungen an Knorpel und Gelenken bei einer Arthrose nicht umkehrbar. Nicht alles kann also nach einem abgebauten Übergewicht ungeschehen gemacht werden.

Dennoch lohnt es sich natürlich, überschüssige Pfunde möglichst langfristig zu reduzieren. Das Risiko für weitere Krankheiten durch das Übergewicht wird dadurch vermindert. Zudem verschlimmern sich die bestehenden Erkrankungen nicht, sondern lassen sich im Gegenteil durch Abnehmen und regelmäßige Bewegung meist besser behandeln. Beispielsweise können Diabetes Typ 2-Betroffene durch eine Änderung des Lebensstils oft erreichen, dass die Zellen wieder besser auf das Insulin ansprechen – in einigen Fällen ist dann sogar keine medikamentöse Behandlung mehr notwendig. Bei einer durch Übergewicht hervorgerufenen Arthrose können die Beschwerden außerdem gelindert werden, wenn das Normalgewicht erreicht ist. Ebenso wirkt eine konsequente Reduktion des Gewichts starkem Schwitzen und Hyperhidrose entgegen.

Psychische Folgeekrankungen von Übergewicht und ihre Wechselwirkung

Übergewicht ist in unserer Gesellschaft noch immer verpönt. Dicke Menschen unterliegen Vorurteilen wie Disziplinlosigkeit, Faulheit sowie der Ablehnung anderer wegen ihres nicht dem Schönheitsideal unserer Zeit entsprechendem Äußeren. Eines vorweg: Keine der hier genannten Stereotype müssen automatisch mit Übergewicht in Zusammenhang stehen. Es gibt sie, die sportlichen Dicken und die faulen Schlanken. Denn Übergewicht hat weitaus mehr Ursachen als nur eine falsche Ernährung oder mangelnde Bewegung.

Dennoch bauen sich klischeehafte Vorurteile nur langsam ab und bei den Betroffenen besteht häufig ein erheblicher psychischer Leidensdruck. Gerade übergewichtige Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen sind daher empfänglich und besonders anfällig für psychische Krankheiten durch Übergewicht, wie zum Beispiel eine schwere Depression.

Unklar ist jedoch in manchen Fällen, inwiefern Übergewicht und Depression sich wechselseitig bedingen. Zum einen kann eine Depression vermehrten Appetit auslösen und damit zu Übergewicht bis hin zu Adipositas (Fettleibigkeit) führen. Auch verschiedene Antidepressiva stehen im Verdacht, Übergewicht auszulösen oder zu begünstigen. Zum anderen können die gesellschaftliche Ausgrenzung und der Spott, denen viele Übergewichtige ausgesetzt sind, ebenso eine Depression hervorrufen.

In beiden Fällen ist eine psychotherapeutische Behandlung neben der Gewichtsreduktion angeraten und wichtig. Ziel der Behandlung ist vor allem, auf eventuelle Rückfälle in eine depressive Episode, also die Phase der akuten Depression, vorbereitet zu sein und mit geeigneten Mitteln entgegenzuwirken. Isst der Patient aufgrund der Depression mehr, werden ihm in einer Therapie sinnvolle Verhaltensmaßnahmen für den Alltag vermittelt, wie er stattdessen mit Belastungen umgehen kann.

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1http://www.dife.de/presse/pressemitteilungen/?id=1167