Magenballon als unterstützende Maßnahme bei schwerer Adipositas

Eine Umstellung der Essgewohnheiten hin zu einer gesunden Ernährung und viel Sport – für manche Patienten, die von starker Adipositas betroffen sind, reichen diese Maßnahme alleine nicht aus. Sie benötigen weitere Hilfe zur Gewichtsreduktion. Ob dabei ein sogenannter Magenballon helfen kann, ist umstritten. Erfahren Sie jetzt, wie ein Magenballon funktioniert, welche Auswirkungen er auf das Essverhalten hat, für wen er geeignet ist und welche Kosten und Risiken er birgt.

Magenballon als nicht operativer Eingriff bei Adipositas

Nebenwirkung des Magenballons ist, dass das Essen nur sehr kleiner Portionen möglich ist

Bei manchen übergewichtigen und adipösen Patienten ist aufgrund schwerer gesundheitlicher Komplikationen eine rasche Gewichtsreduktion notwendig, die mit konventionellen Diätmethoden nicht zu erreichen ist. Hier kann der Magenballon zum Einsatz kommen. Dieser füllt den Magen teilweise aus und verringert so das Volumen, das für die Nahrungsaufnahme bereitsteht. Der Adipositas-Patient kann fortan deutlich weniger essen als zuvor und verspürt dabei schneller ein Sättigungsgefühl.

Im Gegensatz zu einer Magenverkleinerung oder einem Magenbypass erfordert dieser Eingriff keine risikoreiche Operation und ist zudem nicht dauerhaft. Auch eine Vollnarkose ist nicht nötig, denn der Magenballon wird im schonenden Dämmerschlaf eingesetzt. Obwohl das Einsetzen des Magenballons mit vergleichsweise weniger Risiken verbunden ist, als eine Operation unter Vollnarkose, ist die Methode dennoch nicht risikofrei. Auch ein Magenballon kann zu schweren Komplikationen und Nebenwirkungen führen.

Dennoch wird der Eingriff in einigen Privatkliniken geradezu angepriesen, häufig ohne ein umsichtiges Abwägen von Kosten, Risiken und Nutzen. Patienten mit Adipositas sollten die Entscheidung für einen Magenballon daher immer zuerst mit ihrem Hausarzt besprechen und möglichst eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse anstreben. Die Übernahme der Kosten wird jedoch vergleichsweise selten gewährt.

Wer eignet sich für einen Magenballon?

Welche Patienten sich für den Magenballon tatsächlich eignen, ist umstritten. Richtet sich die Orientierung ausschließlich nach dem BMI, kann ein Ballon ab einem Wert von 28 in den Magen eingesetzt werden. Adipositas ist somit keine zwingende Voraussetzung, sondern es reicht bereits ein starkes Übergewicht aus, um für den Einsatz eines Magenballons infrage zu kommen. Zusätzlich zum BMI müssen jedoch natürlich auch Alter und Gesundheitszustand berücksichtigt werden.

Das Einsetzen eines Magenballons kann zudem eine Alternative für Menschen sein, die ein zu hohes Risiko für andere medizinische Eingriffe zur Gewichtsreduktion aufweisen. Jedoch ist ein Magenballon alleine keine dauerhafte Lösung zur Gewichtsbekämpfung. Nach der Entfernung des Magenballons – was je nach Magenballon nach drei oder sechs Monaten geschieht – besteht die Gefahr des Jo-Jo-Effekts, wenn der Patient sein Essverhalten nicht radikal umgestellt hat. Auch regelmäßige Bewegung muss fortan zu seinem Alltag gehören, um Nebenwirkungen und Rückschläge zu vermeiden.

Ein Magenballon ist demnach nur für hochmotivierte Patienten sinnvoll. Der Grund für die Adipositas sollte schon vor dem Eingriff bekannt sein und der Patient sich zumindest bereits in Behandlung befinden – zum Beispiel bei einem Psychotherapeuten, wenn das starke Übergewicht psychisch bedingt ist. Der Magenballon bietet diesen Patienten Hilfestellung beim Abnehmen und der vergleichsweise schnelle Gewichtsverlust kann motivierend wirken bei Übergewicht und Adipositas.

Unter Experten ist der Einsatz eines Magenballons dennoch umstritten, da kein Lerneffekt bei den Patienten eintritt, wenn keine weiteren Therapiemaßnahmen erfolgen. Sein Einsatz sinkt dementsprechend zunehmend, ist aber noch immer als häufig einzuschätzen.

Wie funktioniert das Einsetzen eines Magenballons?

Es werden zwei verschiedene Arten des Magenballons unterschieden: der Schluckballon einerseits und der mit Flüssigkeit gefüllte Ballon andererseits. Beim Schluckballon schluckt der adipöse Patient eine etwa drei Zentimeter große Kapsel, an deren Ende sich ein Schlauch befindet. Ist die Kapsel im Magen angekommen, wird der Ballon anschließend über den Schlauch bis zu einem Volumen von etwa 250 Milliliter mit einem ungiftigen Edelgas aufgefüllt. Gelegentlich werden bei dieser Methode auch zwei Ballons platziert beziehungsweise geschluckt, um der Form des Magens entgegenzukommen. Beim mit Flüssigkeit gefüllten Ballon wird dem Adipositas-Patienten ein einzelner Ballon über eine Magensonde durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt und anschließend mit einer Kochsalzlösung gefüllt. Das Einsetzen eines mit Flüssigkeit gefüllten Ballons hat gegenüber dem Schluckballon mit Gasfüllung zwei Vorteile:

  • Während des Einsetzens kann der Arzt durch eine Gastroskopie (Magenspiegelung) den Zustand der Magenwände überprüfen. Stellt er hierbei entzündete Magenwände oder aber Magengeschwüre fest, muss der Eingriff abgebrochen werden.
  • Bei diesem Magenballon ist die Flüssigkeit blau gefärbt. Dies führt zu einer vorübergehenden Blaufärbung des Urins, wenn der Magenballon undicht geworden ist. Der Patient kann so schnell ärztliche Hilfe aufsuchen und sollte dies auch tun, damit der Ballon nicht über den Darm ausgeschieden wird. Dies kann Risiken wie einen Darmverschluss mit sich bringen.

Beide Varianten des Magenballons sind allerdings immer nur zeitlich begrenzte Lösungen im Kampf gegen Übergewicht und Adipositas. Ein Magenballon muss immer nach einiger Zeit entfernt werden. Der mit Gas gefüllte Schluckballon kann maximal drei Monate im Magen verbleiben, der mit Flüssigkeit gefüllte Magenballon doppelt so lange. Für Adipositas-Patienten die eine langfristigere Lösung suchen, stellt das Magenband eine mögliche Alternative dar.

Risiken und Nebenwirkungen bei einem Magenballon

Bei beiden Varianten des Magenballons wird der Eingriff ambulant unter Dämmerschlafnarkose vorgenommen. Lediglich eine halbe Stunde vergeht, bis der Magenballon sitzt. Anschließend muss der Patient noch zwei bis drei Stunden zur Beobachtung in der Klinik bleiben und kann dann nach Hause.

Doch was zunächst so harmlos klingt, kann durchaus Nebenwirkungen nach sich ziehen. Viele Menschen klagen nach dem Einsetzen eines Magenballons über Nebenwirkungen wie

  • Übelkeit,
  • Brechreiz und
  • schwere Bauchschmerzen,

die teilweise über Tage nicht abklingen. In vielen Fällen gewöhnt sich der Körper aber schließlich an den Ballon. Die Magenschleimhaut kann jedoch sehr empfindlich auf den Fremdkörper reagieren und sogar Magengeschwüre ausbilden. Patienten mit Magenballon sind daher dem Risiko ausgesetzt, recht häufig an Magengeschwüren zu erkranken. Bei falscher Ernährung ist zudem ein Flüssigkeitsmangel eine wahrscheinliche Nebenwirkung.

Kostenübernahme des Magenballons durch die Krankenkasse?

Viele Menschen mit Adipositas wünschen sich, dass die Kosten für einen Magenballon von der Krankenkasse übernommen werden – denn der Eingriff kostet durchschnittlich 2000 bis 3000 Euro. Eine Kostenübernahme ist jedoch eher selten der Fall, insbesondere da die Magenballons in der Vergangenheit statistisch gesehen wenig dauerhaften Erfolg im Kampf gegen das Übergewicht erzielen konnten.

Wer nach einer Ablehnung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse mit dem Gedanken spielt, die Kosten alleine zu tragen, muss bedenken, dass die genannten 2000 bis 3000 Euro lediglich die Erstbehandlung decken. Sämtliche Nachbehandlungen sind hier nicht mit eingerechnet und müssen ebenfalls aus eigener Tasche beglichen werden. Die Entscheidung für oder gegen einen Magenballon im Kampf gegen Übergewicht und Adipositas sollte also gut durchdacht sein und neben den Vorteilen auch die hohen Kosten, Nebenwirkungen und Risiken berücksichtigen.

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