Adipositas Grad 1: Definition und Behandlung

Der Übergang zwischen Übergewicht und Adipositas Grad 1 verläuft meist schleichend. Ist die Diagnose jedoch erstmal gestellt, sollte möglichst bald mit einer Gewichtsreduktion begonnen werden. Doch woran ist Adipositas Grad 1 überhaupt von „normalem“ Übergewicht zu unterscheiden? Und wie nehmen Betroffene am besten ab?

Ab wann ist von Adipositas Grad 1 die Rede?

An einer leichten Adipositas, also der ersten Stufe der sogenannten Fettsucht oder Fettleibigkeit, leiden Patienten ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 und bis zu einem BMI von 34,9. Ziel ist hier – wie bei jeder Form von Adipositas und auch bereits bei Präadipositas (Übergewicht) – nicht nur die Gewichtsreduktion, sondern auch das Verhindern eines weiteren Zunehmens. Die Diagnose Adipositas bedeutet für die Betroffenen vor allem ein erhöhtes Risiko, an Folgeerkrankungen zu leiden und damit auch, Einschränkungen im Alltag zu erleben. Beide Faktoren sind abhängig vom Schweregrad einer Adipositas und steigen zusammen mit dem Gewicht.

Wenngleich eine Adipositas Grad 1 alleine durch den BMI sehr leicht diagnostiziert werden kann, ist stets auch die begleitende Beratung durch einen Arzt notwendig. Dieser kann durch geeignete Untersuchungen Differenzialdiagnosen, das heißt, andere ähnliche Krankheitsbilder, abgrenzen und ausschließen. In einigen Fällen ist eine Adipositas selbst keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das von einer anderen Krankheit verursacht wird. Als Beispiel seien hier eine Schilddrüsenunterfunktion und das Cushing-Syndrom (Überproduktion des Hormons Kortison) genannt. Ist die Diagnose Adipositas Grad 1 gestellt, gilt es anschließend, gemeinsam mit dem Patienten einen Therapieplan auszuarbeiten.

Warum wird Adipositas in unterschiedliche Grade eingeteilt?

Der Laie mag vielleicht zunächst denken, dass „Übergewicht eben Übergewicht“ sei. Die Einteilung von Adipositas in drei unterschiedliche Schweregrade ist aus medizinscher Sicht allerdings durchaus sinnvoll. Zum einen, da das Risiko für Folgeerkrankungen je nach Schweregrad der Adipositas unterschiedlich hoch ist. Zum anderen, weil auch die Therapie je nach Ausmaß der Adipositas unterschiedlich ausfallen kann.

Bei einer Adipositas Grad 1 ist das Risiko, vor allem für diese Folgeerkrankungen, leicht erhöht:

  • Hypertonie (Bluthochdruck),
  • Typ-2-Diabetes (im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes ernährungsbedingt und auch durch Fettsucht verursacht) sowie
  • ein erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko.

Um diesen gefährlichen Erkrankungen vorzubeugen, ist eine Gewichtsreduktion dringend angeraten. Da der Übergang zwischen Übergewicht und Adipositas Grad 1 fließend verläuft, ist es sinnvoll, hiermit schon bei einem bestehenden Übergewicht, spätestens aber mit Beginn einer Adipositas anzufangen. Der noch geringe Schweregrad der Adipositas ermöglicht es zudem den Patienten, das Trainingsprogramm körperlich aktiv zu gestalten. Bei einer Erhöhung des Adipositas-Grades wird dies zunehmend schwieriger.

Das Essverhalten bei Adipositas Grad 1

Bei Adipositas Grad 1 ist die Grenze zu mäßigem Übergewicht überschritten. Dies liegt oft nicht alleine an einer ungesunden Ernährung, sondern lässt auch auf ein gestörtes Essverhalten schließen. Hierzu zählen beispielsweise ein fehlendes Sättigungsgefühl, Essen als Belohnung oder zum Trost sowie als Ersatz für Zuwendung. Nicht selten liegt dieses ungesunde Essverhalten bereits in der Kindheit begründet.

Die wenigsten Menschen, die von einer Adipositas betroffen sind, leiden ausschließlich aufgrund von Genussessen unter Fettleibigkeit. Dennoch gilt es, als ersten Schritt bei Adipositas Grad 1 die Kalorienzufuhr stark zu reduzieren, um eine negative Kalorienbilanz zu erhalten. Dies bedeutet, dass der Patient weniger Kalorien aufnimmt, als er durch Bewegung und den Grundumsatz über den Tag verteilt verbrennt. Mithilfe von gesunder Ernährung kommt es zu einem gesunden Abnehmeffekt – im Idealfall, ohne zu hungern.

Hungern wäre gerade bei einer Adipositas-Therapie kontraproduktiv. Es verringert nicht nur die Bereitschaft des Patienten, sich an ein Abnehmprogramm zu halten, sondern gefährdet auch einen langfristigen Erfolg über die Therapie hinaus: Hungern frustriert und führt so eher zu Heißhungerattacken, die Übergewicht begünstigen.

Das Ziel einer Adipositas-Grad-1-Behandlung ist eine Gewichtsverminderung um etwa fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts. Diese Reduktion sollte natürlich dauerhaft sein. Das bedeutet, das Gewicht darf nach erfolgreicher Behandlung nicht wieder ansteigen.

Für den Abnehmerfolg ist es ratsam, zunächst etwa 500 Kilokalorien weniger pro Tag zu verzehren. Ergänzt wird diese Diät selbstverständlich durch ein geeignetes Bewegungsprogramm.

Bewegungstherapie bei Adipositas Grad 1

Da Adipositas Grad 1 in der Regel noch ziemlich nah am „normalen“ Übergewicht ist, sind die Bewegungsmöglichkeiten hier noch verhältnismäßig wenig eingeschränkt. Für die Betroffenen macht dies das Abnehmen oft einfacher. Ein erster Schritt ist es, mehr körperliche Bewegung in den Alltag zu integrieren. Betroffene sollten sich beispielsweise daran gewöhnen, sofern möglich, zur Arbeit und zum Einkaufen zu laufen, statt mit dem Auto zu fahren oder die Treppe und nicht den Aufzug zu nehmen.

Joggen ist zwar aufgrund der hohen Gelenkbelastung bei Adipositas nicht angeraten, Walken kann aber eine gute Alternative sein, um eine entsprechende Gewichtsreduktion zu erreichen. Generell ist Ausdauersport zunächst dem Kraftsport vorzuziehen. Kraftsport übt eine zusätzliche Anstrengung auf die oft schon belastete Wirbelsäule und Gelenke aus. Bei weiterer Gewichtsabnahme ist jedoch auch eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport sinnvoll.

Fazit: Ein Patient mit Adipositas Grad 1 benötigt Ausdauer und Konsequenz, um an Gewicht zu verlieren. Dennoch ist auch hier nicht alleine der Patient gefragt, sondern es wird auch eine fachliche Beratung durch einen Arzt empfohlen. Begleiterkrankungen oder Differenzialdiagnosen sollten grundsätzlich vor dem Beginn einer Adipositas-Behandlung erkannt beziehungsweise ausgeschlossen werden.

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