Adipositas (Fettleibigkeit) und Übergewicht: Definition & Unterschied

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht. Steigt das Körpergewicht drastisch über das Normalmaß an, sprechen Ärzte und Ernährungswissenschaftler von Adipositas, auch Fettleibigkeit oder Fettsucht genannt. Doch wo liegt der Unterschied zwischen normalem Übergewicht und Adipositas? Ab wann ist man adipös? Und was können Betroffene gegen die Fettleibigkeit tun?

Definition: Was ist Adipositas/Fettleibigkeit?

Adipöse Frau hält sich den Bauch und fragt sich, wann man von Übergewicht, Adipositas und Fettleibigkeit spricht

Fettleibigkeit ist mehr als nur Übergewicht. Konkret bedeutet das: Wer einen Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 hat, ist fettsüchtig, fettleibig beziehungsweise adipös. Der Begriff „Fettsucht“ weist hier nicht auf ein Suchtverhalten hin, sondern auf eine körperliche Tendenz beziehungsweise einen adipösen Zustand, der auf eine Erkrankung zurückzuführen ist.

Adipositas ist ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiertes Krankheitsbild und nimmt in den westlichen Industrieländern kontinuierlich zu, auch unter Kindern und Jugendlichen. Rund 24 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind nach Statistiken der WHO adipös. Beinahe jeder Vierte ist von der Fettleibigkeit betroffen. Adipositas zählt somit mit zu den häufigsten Krankheiten und ist mit einem großen Leidensdruck für die Betroffenen verbunden.

Neben den gesundheitlichen Problemen und Risiken für Folgeerkrankungen, die mit Adipositas beziehungsweise Fettleibigkeit einhergehen, leiden fettleibige Menschen vor allem unter der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Die Kosten für eine Adipositas-Therapie, wie beispielsweise chirurgische Eingriffe, werden nur in medizinisch begründeten Einzelfällen von den Krankenkassen übernommen. Adipöse Menschen sind vor allem bei der medikamentösen Behandlung finanziell auf sich alleine gestellt, da die Kosten für Arzneimittel, zur Regulierung der Fettleibigkeit, in der Regel nicht übernommen werden.

Adipositas und Übergewicht – wie wichtig ist die Unterscheidung?

Adipöse Menschen haben nicht nur ein paar Kilos mehr auf den Hüften – ihr Übergewicht geht deutlich über das normale Maß hinaus. Ab einem BMI-Wert von 30, der den Beginn von Adipositas beziehungsweise Fettleibigkeit markiert, ist zudem das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich erhöht. Zu den typischen Folgeerkrankungen von Adipositas zählen:

  • Bluthochdruck
  • Erkrankungen der Herzkranzgefäße
  • Schlaganfall
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Erkrankungen der Gelenke
  • Krebskrankheiten
  • Depressionen

Die Gefährdung steigt dabei weiter an, je größer das Übergewicht oder die Fettleibigkeit ist. Vor allem das Risiko von Folgeerkrankungen macht eine Unterscheidung zwischen Adipositas und Übergewicht so bedeutsam.

Liegt eine Adipositas vor, ist die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt anzuraten. Die Therapie richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Fettleibigkeit beziehungsweise dem Vorliegen von Folgeerkrankungen. Behandlungsziel bei Übergewicht und Adipositas ist eine deutliche Gewichtsverminderung. Während leichtes Übergewicht durch eine Ernährungsumstellung und moderaten Sport vergleichsweise schnell wieder schwindet, ist dies bei Adipositas wesentlich schwieriger und langwieriger. Die von der Fettleibigkeit Betroffenen sind oft „ess-süchtig“, das heißt, sie haben ein gestörtes Essverhalten mit übermäßiger Nahrungsaufnahme. Adipöse Menschen ernähren sich also häufig nicht nur ungesund, sondern haben auch das Sättigungsgefühl verloren.

Adipositas: Das sind die häufigsten Ursachen der Fettleibigkeit

Wer adipös ist, isst zu viel. Diese Erklärung, als Ursache für Fettleibigkeit, ist zwar einfach, jedoch nicht in vollem Maße zutreffend. Die Ursachen von Adipositas bestehen aus einer Kombination unterschiedlicher Faktoren und sollten zu Beginn einer Behandlung in einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch geklärt werden. Zu den Hauptursachen des, als Fettleibigkeit bezeichneten, extremen Übergewichts zählen eine familiär-erbliche Veranlagung sowie ein ungesunder Lebensstil mit Bewegungsmangel und übermäßiger Nahrungsaufnahme. Viele Menschen, die in späteren Jahren an Adipositas leiden, sind häufig schon als Kind übergewichtig oder adipös gewesen. Das lässt darauf schließen, dass bei Fettleibigkeit unter anderem ein falsches Essverhalten mit gesteigertem Hungergefühl zugrunde liegt.

Kommt es durch dieses falsche Essverhalten erst einmal zu Übergewicht, sind die Grenzen zur Fettleibigkeit oft fließend. Der Adipositas-Patient befindet sich in einem Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Denn: Die durch Übergewicht vergrößerten Fettzellen behindern die Andockstellen (Rezeptoren) für das Hormon Insulin an den Zellen beziehungsweise dessen Aufnahme in die Zellen (Insulinresistenz). Der Zucker steigt im Blut an und kann nicht mehr ausreichend reguliert werden. Die Folgen sind ein vermehrtes Hungergefühl sowie eine vermehrte Nahrungszufuhr, was wiederum zu weiterem Übergewicht, bis hin zur Fettleibigkeit, führt.

Ab wann ist man adipös? Einteilung von Adipositas in Schweregrade

Adipositas wird nicht nur vom Übergewicht abgegrenzt – auch innerhalb der Fettleibigkeit wird die Ausprägung in drei Schweregrade unterschieden. Die Unterteilung der Adipositas erfolgt ausschließlich anhand des BMIs (Body-Mass-Index). Um diesen zu ermitteln, wird das Gewicht eines Menschen durch die Körpergröße in Zentimeter zum Quadrat geteilt. Demnach gelten folgende Werte zur Abgrenzung der unterschiedlichen Stufen von Adipositas beziehungsweise Fettleibigkeit:

BMI-WertAdipositas-Einteilung
25 – 30Präadipositas (Übergewicht)
30 – 35Adipositas Grad I
35 – 40Adipositas Grad II
höher als 40Adipositas Grad III

Der Schweregrad der Adipositas ist bedeutsam, um das Risiko von Folgeerkrankungen einzuschätzen. Zudem hängt auch die Gestaltung eines Therapieplans von dem Ausmaß der Fettleibigkeit ab. Nicht zuletzt ist es für die Krankenkassen wichtig, die Einteilung gemäß des BMI ihrer Patienten zu kennen, um über die Übernahme verschiedener medizinischer Eingriffe und Hilfestellungen für den adipösen Patienten zu entscheiden.

Behandlung von Adipositas – mit Disziplin gegen die Fettleibigkeit

Die Behandlung von Adipositas sowie von Übergewicht unterscheidet sich nicht wesentlich. Basistherapien sind eine ausgewogene, kalorienreduzierte Ernährung und mehr körperliche Aktivität – denn es gilt, eine negative Kalorienbilanz zu erreichen. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit sollten adipöse Menschen daher weniger Kalorien aufnehmen, als sie verbrennen.

Im Gegensatz zu den Maßnahmen gegen Übergewicht sind bei der Therapie von Adipositas jedoch auch noch eine Verhaltens- und gegebenenfalls Psychotherapie sowie eine Ernährungsberatung wichtige Elemente im Therapieplan. Adipöse müssen lernen, wieder ein gesünderes Verhältnis zum Essen zu bekommen. Dazu gehört beispielsweise, dass sich an Fettleibigkeit Erkrankte nicht mit Leckereien oder dem Lieblingsessen für ihre Leistung belohnen oder bei schlechten Erlebnissen damit trösten.

Bei Fettleibigkeit: Vorsicht vor zu viel Sport am Anfang

Der Aspekt körperliche Aktivität gestaltet sich je nach Grad der Adipositas schwierig. Je höher das Übergewicht, desto schwerer fällt die Bewegung. Zudem belastet diese nicht nur Herz- und Kreislauf, sondern auch die Gelenke - vor allem wenn Fettleibigkeit vorliegt. Ein individuelles, sportliches Trainingsprogramm sollte daher an das Gewicht und den Gesundheitszustand des adipösen Patienten angepasst sein.

Beim Abnehmen durch Sport ist Schwimmen beispielsweise eine gute Alternative zum Fahrradfahren. Da das Wasser das starke Gewicht trägt, werden die bei Fettleibigkeit oft schmerzenden Gelenke weniger belastet. Bei vergleichsweise geringer Adipositas, zum Beispiel Adipositas Grad 1, kann außerdem Walken ein Ersatz für Joggen sein.

Erste Schritte gegen die Fettleibigkeit

Auch wenn es schwerfällt: Mit dem Eingeständnis, an Fettsucht zu leiden, ist bereits ein erster, wichtiger Schritt getan. Als nächstes sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um gegen die Fettleibigkeit vorzugehen. Der Arzt kann eine geeignete medikamentöse Therapie einleiten oder den adipösen Patienten über eine Operation beraten. Operative Eingriffe, wie ein Magenband oder eine Magenverkleinerung, sind immer das letzte Mittel der Wahl und sollten nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten zur Bekämpfung der Adipositas keinen Erfolg gebracht haben und der Leidensdruck des Patienten entsprechend groß ist.

Die Behandlung der Adipositas erfordert vom Betroffenen viel Ausdauer und einen starken Willen. Aber eine Gewichtsreduktion ist auch bei Fettleibigkeit möglich und führt insgesamt zu einer verbesserten Gesundheit sowie zu einer besseren Lebensqualität des adipösen Menschen.

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