Körperliche Folgen von Übergewicht

Mit jedem Kilo mehr auf der Waage steigt die Belastung unseres Körpers – oft mit schweren und negativen Folgen für unsere Gesundheit. Schon auf ein leichtes Übergewicht reagiert der Organismus mit erhöhten Blutfettwerten und einem steigenden Blutdruck. Bei Adipositas Grad I – III sind die Folgen von Übergewicht noch weitreichender. Sogar ein erhöhtes Krebsrisiko gehört dazu.

Die ersten Folgen von Übergewicht bemerken Betroffene oft schon ab einem BMI zwischen 25 und 30, also dort, wo die Grenze des Normalgewichtes überschritten ist. Im Sommer schwitzen sie vermehrt und auch bei Anstrengung kommt es schneller zur Schweißbildung und Herzrasen. Dies alleine ist noch nicht unbedingt gesundheitsgefährdend, wohl aber oft sehr unangenehm. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit kann bei Übergewicht herabgesetzt sein. Welche körperliche Folgen von Übergewicht treten häufig auf und wie gefährlich sind sie?

Bluthochdruck und seine Folgen

Der Blutdruck – auch Gefäßdruck genannt – beschreibt den Druck des Blutes in den Gefäßen. Er besteht aus dem systolischen Blutdruck, wenn das Herz sich zusammenzieht, und dem diastolischen Blutdruck, wenn es sich wieder weitet. Ein normaler Blutdruck liegt in etwa bei einem Wert von 120/80, wobei der erste Wert den systolischen Druck angibt und der zweite den diastolischen. Ab einem Wert von 140/90 sprechen Mediziner von Bluthochdruck, in der medizinischen Fachsprache Hypertonie.

Viele äußere und innere Faktoren können eine Hypertonie begünstigen. Unter anderem ist Bluthochdruck eine der körperlichen Folgen von Übergewicht. Das kann schwerwiegende Langzeitfolgen für den Körper haben, zum Beispiel:

  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Erkrankungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit)
  • Herzmuskelschwäche
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion
  • Netzhautschäden der Augen (hypertensive Retinopathie)

Die zunehmende Gefäßverkalkung erhöht zudem das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Die Lebenserwartung bei Menschen mit Hypertonie ist daher stark herabgesetzt – im schlimmsten Fall bis zu 40 Jahre. Die Betroffenen sind weniger leistungsstark, der Körper gerät bei der kleinsten Anstrengung an seine Grenzen, da er bereits im Ruhezustand mehr leisten muss.

Gut zu wissen:

Hypertonie muss keine dauerhafte Erkrankung bleiben. Blutdrucksenkende Medikamente, eine Diät, weniger Kochsalz und viel Bewegung können dazu beitragen, den Blutdruck dauerhaft wieder auf ein normales Level zu senken.

Gestörter Hormonhaushalt und Diabetes bei Übergewicht

Im Zusammenhang mit den körperlichen Folgen von Übergewicht wird wohl am häufigsten das Hormon Insulin genannt. Es wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und regelt im Normalfall den Zuckerstoffwechsel im Körper. Fettgewebe – besonders das im Bauch – wirkt sich jedoch zusammen mit Bewegungsmangel negativ auf die Wirksamkeit von Insulin aus; Eine sogenannte Insulinresistenz ist die Folge. Anfangs versucht der Körper, diese Resistenz mit einer erhöhten Insulinproduktion auszugleichen. Später lässt das jedoch nach – in der Folge steigt der Blutzuckerspiegel. Auf diese Weise entsteht Diabetes Typ 2, eine weitere körperliche Folge von Übergewicht.

Die Fettzellen als Hormonproduzenten

Das Fettgewebe dient nicht nur als Energiespeicher – es ähnelt vielmehr einem aktiven Organ, denn es produziert unter anderem das Hormon Leptin. Dieses Hormon hemmt im Normalfall den Appetit, indem es ein Sättigungssignal an das Gehirn sendet und so den Fettstoffwechsel regelt. Je größer die Fettzellen sind – also je höher das Übergewicht – desto mehr steigt auch die Hormonproduktion. Demnach ist der Leptinanteil im Blut bei Übergewichtigen viel höher.

Allerdings lässt bei dauerhaft erhöhten Leptinwerten die Signalwirkung des Hormons nach, das heißt die Signale werden nicht mehr vom Gehirn wahrgenommen (Leptinresistenz). Dadurch entsteht im Gehirn der Eindruck, dass nicht genügend Energiedepots vorhanden sind – ein andauerndes Hungergefühl ist die Folge. Leptin hat aber noch eine andere negative Wirkung: Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Übermaß an Leptin die Gehirntätigkeit verlangsamt. Menschen mit einem Leptinüberschuss sind geistig weniger leistungsstark und ermüden schneller.

Östrogen und Testosteron bei Übergewicht

Weitere Hormone, die in Zusammenhang mit Übergewicht stehen, sind die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron. Östrogen sorgt bei stark übergewichtigen Menschen – auch bei Männern – für ein erhöhtes Brustwachstum, indem Fettgewebe abgelagert wird. Bei Frauen führt ein erhöhter Testosteronspiegel zu einer Vermännlichung der weiblichen Züge. Der Einfluss dieser Hormone ist auch oft von außen sichtbar. Übergewichtige Frauen leiden unter vermehrtem Haarwuchs, wenn der Testosteron-Wert zu hoch ist, übergewichtige Männer vor allem unter Haarverlust, wenn sie zu viel davon im Blut haben. Die Haarwurzeln reagieren auf ein Übermaß an Testosteron überempfindlich und verkümmern.

Körperliche Folgen von Übergewicht für den Bewegungsapparat

Frau hat Rückenschmerzen als körperliche Folge von Übergewicht

Jedes Kilo Übergewicht bedeutet zusätzliche Anstrengung für den Körper, besonders für die Gelenke. Vor allem Knieschmerzen sind bei übergewichtigen Menschen daher häufig, aber auch andere Gelenkknorpel, wie Hüfte oder Hände, verschleißen schneller (Arthrose).

Eine schmerzhafte Gelenkentzündung (Arthritis) kann ebenfalls eine körperliche Folge von Übergewicht sein und grundsätzlich jedes Gelenk betreffen. Denn: Wenn zu viele Energiedepots durch die Fettzellen gespeichert werden, kann dies chronische Entzündungen verursachen. Die entzündlichen Erkrankungen vermindern zudem die Wirkung des Insulins. Aus diesem Grund hängen Erkrankungen wie Arthrose, Arthritis oder Rheuma eng mit einem Diabetes und Übergewicht zusammen.

Auch Bandscheibenvorfälle kommen bei übergewichtigen Menschen häufiger vor, da die Wirbelsäule überbelastet ist. Häufig reicht schon eine falsche Bewegung und der innere Kern der Bandscheibe verschiebt sich oder der Faserknorpelring reißt ein. Die Bandscheiben liegen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und fangen Erschütterungen ab. Drückt die verformte Bandscheibe auf die Rückenmarksnerven, können unangenehme Schmerzen entstehen (Hexenschuss).

Übergewicht: Was hilft langfristig gegen Gelenkschmerzen?

Funktionsmindernde Gelenkerkrankungen sind für Übergewichtige ein Teufelskreis. Da jede Bewegung schmerzt, wird diese noch mehr vermieden und es kommt in der Folge zu einem noch stärkeren Übergewicht. Abhilfe schaffen hier nur besonders gelenkschonende Sportarten, zum Beispiel die Bewegung im Wasser, sowie eine konsequente Gewichtsreduktion.

Körperliche Folgen von Übergewicht speziell bei Kindern

Kinder leiden bei starkem Übergewicht unter den gleichen Folgen wie Erwachsene. Dennoch ist für sie das Übergewicht noch dramatischer und psychisch belastender. Die vermehrte Hormonausschüttung bei vergrößerten Fettzellen, insbesondere der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron, führt zu einer schnelleren Heranreifung des Körpers. Mädchen mit Übergewicht kommen oft schon mit etwa zehn Jahren in die Pubertät und haben ihre erste Periode. Jungen kommen früher in den Stimmbruch. Für Kinder kann die frühe Pubertät belastend sein, da die Reifung des Gehirns und der Psyche nicht immer mit der körperlichen Heranreifung schritthalten kann. Darüber hinaus besteht bei übergewichtigen Kindern das Risiko, dass sie auch im Erwachsenenalter übergewichtig bleiben.

Auch Begleiterkrankungen als körperliche Folgen von Übergewicht, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, sind für Kinder besonders belastend und einschränkend in ihrem Alltag. Kindliche Adipositas sollte daher rechtzeitig behandelt werden – und das grundsätzlich mit der Unterstützung eines Kinderarztes.

Fazit: Wer unter Übergewicht leidet, setzt seinen Körper verschiedenen Gefahren aus, die lebensbeeinträchtigend und lebensverkürzend wirken können.

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